Effi Mora

Die vielen Gesichter emotionaler Instabilität

29.06.2014

Ich sollte mich mal stabil hinsetzen und in Ruhe überlegen, ob es so klug ist, meinem Hund neue Menschen vorzustellen. Ich liebe ihn ja, aber er ist definitiv persönlichkeitsgestört und das wirft ein…hm interessantes Licht auf meine Elternqualitäten. Es geht schon damit los, dass jeder Mensch, der uns zum ersten Mal zusammen sieht, denken muss: «Natürlich frisst sie ihm sein Hundefutter weg! Wie ist dieser Zustand bitte sonst zu erklären?». Wenn der Kontakt über längeren Zeitraum besteht, kommt der Neue Mensch nach und nach in den beängstigenden Genuss von Benders zahlreichen, kafkaesken Marotten. Und die sind gruselig. Heute war sein emotionaler Haushalt wohl besonders labil: mit der vollen Wucht seines schmächtigen Körpers warf er sich mehrere Male gegen die Badezimmertür und schrie dabei Sätze wie: «Ich halte es keine Sekunde länger aus! Komm sofort raus da! Komm raus oder ich tu mir was an!». Ich hab nur eine einzige Frage: ist es denn wirklich schon mal vorgekommen, dass ich vom Klo nicht zurück kam? Welche Horror-Kulisse vermutet er hinter der verschlossenen Tür? Bermudadreieck? Katapult? Menschenfressende Badewannen-Piranhas? Umso blöder ist es, wenn Neue Menschen vorher keine Hunde persönlich kannten und dann denken, dass ALLE so sind.
(Ich bin übrigens keine echte Rabenmutter, denn bei echten Rabeneltern werden die Kinder ganz angepasst und trauen sich, um Gottes Willen, nicht mal eine Kleine Bemerkung zu machen, wenn z. Bsp. ihr Essen katastrophal versalzen ist. Sie mampfen das Zeug trotzdem und erklären den plötzlich etwas heftigen Speichelfluss und die Tränen in den Augen mit der Dankbarkeit für all die Fürsorge, die sie erhalten. Meiner ist nicht so. Er macht sehr viele Geräusche, die meisten davon meckernd und anklagend. Wenn man ihn genauer ansieht, versteht man, dass er einfach nur lügt, übertreibt, dramatisiert, forciert und all die schönen Sachen eben)

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