Effi Mora

Eine glitschige Angelegenheit

03.02.2013

In der Rubrik «Kopfloses Interpretieren» stelle ich mich in einer «Das-kann-ich-auch»-Körperhaltung vor die Werke anderer Menschen und erzähle, was ich dort sehe.

Hier haben wir es mit einem wahren Meisterwerk der Taschentuchkunst zu tun. Lassen Sie sich nicht täuschen von der scheinbaren Harmlosigkeit und Naivität des abgebildeten Motivs. Das, womit man sich jahrelang gedankenlos die Nase putzt, hat’s nämlich in sich und möchte genauer angeschaut werden. Im Hintergrund sehen wir z. Bsp. eine Kirche, die architektonisch eindeutig der west-christlichen Tradition angehört, was schon mal gar nicht zu den beiden Russen im Vordergrund passt. (Möglicherweise Aussiedler der dritten Generation.) Als ob das noch nicht genug wäre, hat die besagte Kirche einen Schornstein, aus dem Rauch kommt. Ob der Hase deshalb so schnell mit seinem Fahrrad abhaut, weil er vorher was angezündet hat? Jedenfalls braucht er nicht in die Pedalen zu treten, die bergige und hügelige, höchstwahrscheinlich europäische Landschaft erledigt die Sache mit der Geschwindigkeit von allein. Man könnte andererseits annehmen, dass es sich um keine Kirche sondern um ein Krematorium handelt, in dem gerade ordentlich Betrieb herrscht, jedoch wirken die grossen Vitrage-Fenster in diesem Zusammenhang…hm…ein wenig zu festlich. Ich bekam soeben den Hinweis, der vermeintliche Rauch aus dem Schornstein sei eher ein Schwarm Zwitscherlinge. Hoffen wir das mal. Über das herrliche Hasenmädchen, das sich mit beiden Pfoten Blumen in den Mund stopft und gleichzeitig seine vollgemachte Windel lüftet, lässt sich gar nicht so viel sagen, außer: Wie kann man sich denn DAMIT die Nase putzen?

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