Effi Mora

Fifty Shades of määääh

24.11.2013

Braucht man nun nicht zu erwähnen, dass dieser kindische Quatsch überall ist und man sich schon in gar keine öffentliche Toilette traut, weil, genau, wer grinst da wohl von der Wand? Herr Grey und seine angeblich submissive Püppi. Vor Paar Jahren hatte meine Bettnachbarin in einem Krankenhaus dieses Schmackofatzi-Erzeugnis gerade in Buchform konsumiert. Nach den Seufzern, die immer pünktlich 20 Uhr aus ihrer Ecke kamen, hätte ich meinen Schlafrhythmus ausrichten können. Als sie das komplette Ding verschlungen hatte, blieb sie ca. eine Stunde auf dem Bett sitzen, starrte vor sich hin und lächelte wie eine Mona Lisa nach dreimal Gin-Cointreau-Fanta intravenös. Sie bot mir an, in diese «fremde, seltsame Welt» (sorry, David) einzutauchen. Und weil ich meine Grenzen nur bedingt respektiere, tauchte ich also ein und hatte mich sogar bis zu der Stelle mit dem Analplug durchgekämpft, was schon echt viel ist, in Anbetracht der unzumutbar schlechten Sprache. Tja, verstanden hab ich Folgendes: es geht natürlich nicht um SM, das ist klar. Es geht darum, dass manche Mädchen einfach noch nicht so weit sind. Um sich dem Leben zu stellen, mit all seinen bekloppten Terminen, Aktenordnern, Enttäuschungen, Kommunikations-Overkills und Wettbewerben der Kompetenzen, muss man vorher in die Vergangenheit gereist und ein Paar muffige Leichen aus Kindertagen begraben haben. Tut man das nicht, kann man sich tonnenweise mit erwachsenen Attributen und Accessoires voll hängen, und bleibt dennoch eine Mausi, die sich nach einem bedingungslos stärkerem Erwachsenen sehnt. Für einen Gleichaltrigen im metaphorischen Sinne ist die Mausi noch nicht bereit. eine Beziehung auf Augenhöhe ist noch nicht möglich. Weil Gleichaltrige auch mal Schwäche zeigen können. Sie kriegen im gemeinsamen Urlaub exotische Arten von Durchfall, überziehen aus Versehen ihr Konto, streiten sich mit Mutti und Vatti und vergessen auch mal für zwei Sekunden, dass die Mausi überhaupt existiert. Das alles macht der Mausi Angst. Das darf nicht passieren. Deshalb hat SM in dieser ganzen Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Mit dem gleichen Erfolg hätte der Typ auch eine Vorliebe für Frauen in Clown-Kostümen haben können, das hätte nichts an ihrer Bereitschaft mitzumachen geändert, vorausgesetzt er bleibt durchgehend der Oberclown.

Comments
Add your comment

Replay

Your email address will not be published

Thank you! Your submission has been received!

Oops! Something went wrong while submitting the form

Blog tags:

AchtsamkeitAgnes&OlgaAus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchleder lange Weg nach HauseFräulein PrimelFreundschaftgagajeden Monatkopfloses InterpretierenKUNST (das ist mir zu 'art)LiebelifeLiteraturMäääähMonsieur HundMyDresdenNewspersönliche Grenzenpostdramatische AltlastenstörungTierweltTraumaWunderlandzwischen den Welten View all tags