Effi Mora

Garstig geht die Welt zu Grunde

22.10.2015

Ich kannte mal einen Menschen männlichen Geschlechts, der hin und wieder darauf bestand, dass wir in der Öffentlichkeit essen gehen. Das Problem dabei war nur, dass er eigentlich ein Ess-Zelt zum Drüberstülpen gebraucht hätte und dieses noch nicht erfunden worden war. Viele Nervenzellen wären noch am Leben, viele Paare möglicherweise noch zusammen, wenn eine solche Erfindung existiert hätte. Es ist im Grunde genommen ganz simpel: zwei Quadratmeter wasserdichten Stoffes mit Giraffen- und Petunienmuster (zur Erheiterung der übrigen Speisegäste), oben eine Öffnung, durch die man Knochen und Verpackungen raus werfen kann und drin — zufriedenes Geschmatze, Geklirre und Geschlürfe . Man müsste nicht länger den neorealistischen Anblick diverser Kohlsorten im Bart ertragen. Keine Hühnerkadaver und sonstiges Gerippe auf der gesamten Tischplatte, kein Gemetzel auf dem Teller, kein Soßen-Expressionismus auf dem T-Shirt. Alles findet im Zelt statt. Und die begleitende Dame könnte sich endlich dem blutigen Steak widmen, anstatt voller Verlegenheit ihre Nägel anzustarren und mit der gesamten Körperhaltung hinaus zu schreien: «Ich gehöre nicht wirklich dazu, wir essen nur gelegentlich zusammen! «. Ach, man wird ja wohl noch träumen dürfen…

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