Effi Mora

Gute Manieren retten Leben!

04.05.2016

Es ist natürlich nicht ganz so dramatisch, aber sie können einen immerhin vor unerwünschter Berühmtheit bewahren. Viele Menschen sträuben sich gegen gute Manieren, weil sie denken, dass sie «für die Tante» oder «für den Onkel» artig sein sollen und das will man als Erwachsener nicht mehr. Verständlich. Aber gute Manieren dienen einzig und allein zum eigenen Schutze. Ich, zum Beispiel, war gerade mit meinem Hund im Regen spazieren und blieb an einem Schuhgeschäft kleben, um eine violette Sandale anzuhimmeln. Weil ich mich unbeobachtet fühlte, gähnte ich dabei so hingebungsvoll, dass irgendwelche Schädelknochen hinter den Ohren knirschten. Ich hatte keine Hand frei und auch kein Feigenblatt dabei, um diese Misere wenigstens zu kaschieren und das Gähnen an sich wollte einfach nicht aufhören. Währenddessen machte eine Frau auf der anderen Seite des Schaufensters mit ihrem gigantischen Smartphone ein Foto von eben dieser violetten Sandale. Unsere Blicke trafen sich und sie lachte. Hoffentlich knallt sie das Bild bei Instagram rein, damit ein Paar Menschen auf der Welt sehen, warum gute Manieren so wichtig sind, gerade dann, wenn man sich unbeobachtet fühlt, und ganz besonders dann, wenn man mit einem klatschnassen, schief geschnittenen Pony und einer vollen Hundekacküte vor einem Schaufenster steht.

p.s. Anton Tschechov soll mal gesagt haben, dass sich ein guter Mensch sogar vor einem Hund schämt. Dieses Zitat hat mich schon immer wütend gemacht, weil ich nicht verstanden hab, was dieses «sogar» soll. Gerade vor dem Hund schämt man sich doch, dachte ich empört. Irgendwann in den letzten sechs Jahren ist mir wohl jegliches Feingefühl meinem Hund gegenüber verloren gegangen. Aber es ist ja auch verdammt schwer, vor jemandem Respekt zu haben, der einen schon in so ziemlich allen Zuständen gesehen hat.

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