Effi Mora

Архив метки: life

Hölle, self-made. Teil 1 — Die Hölle der Selbstüberschätzung.

18.03.2019
...Unweigerlich geht dann dieses, wie ich das nenne "großzügige Bemitleiden" los. Mit Mitgefühl hat das gar nichts zu tun. Mitgefühl ist so alt wie die Welt und kann Kaputtes heilen und reparieren. Beim "großzügigen Bemitleiden" geht es nur um die verführerische Delikatesse namens "Ich bin nicht nur besser als du, sondern auch edler, weil du mir auch noch leid tust.". Mitgefühl erkennt man daran, dass es eine wesentlich feinere Resonanz erzeugt, und sich niemand verarscht fühlt...

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Die Erziehung des Partners zu mehr Gehorsam.

21.05.2018
Ja, der Titel ist bewusst gewählt, liest doch sonst keiner. Polyamorie ist 'ne smoothe Sache. Ich habe mich mit 8 Jahren schon gefragt, wie das bitteschön gehen soll, wenn D. und ich jetzt hier unterm Kirschbaum heiraten und unsere Kaugummisticker fusionieren, und dann fängt das Schuljahr wieder an und ich fahre nach Sankt Petersburg, wo mein Freund S. auf mich wartet, mit dem ich auch unmöglich nur befreundet sein kann, weil er mir doch dieses Tarzanbuch geschenkt hat, und weil er auf dem langen Gang des Wohnheims eine ganze Galaxie aus Knetmasse gebaut hat, wo er Präsident ist und ich seine Sekretärin. Aber ich kann D. auch auf keinen Fall NICHT heiraten, er hat doch diese Haare und diesen Pullover, und wenn es heiß ist und wir zum Fluss fahren, nimmt er mich auf dem Gepäckträger seines Fahrrads mit, weil ich noch kein eigenes hab. Aber was wird dann aus S.? Er hat meiner Sekretärin-Spielfigur schon einen Namen gegeben und einen fliegenden Roboter namens Zoron geknetet, den ich immer rufen soll, wenn ich mit meinem Auto von einer Galaxie-Insel zur anderen muss, dann kommt er angeflogen und trägt mich und das Auto über die zersprungenen Kacheln, die in unserem Spiel das Wasser darstellen. Schwierig das alles. Ein furchtbares Dilemma sogar.

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by accident

01.03.2018
...

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Sonntag. Zirkus. Knoblauch.

01.10.2017
Ja, schon irgendwie selber schuld, wenn man sein Katerfrühstück auf dem Rummel holt. Gefüllte Artischocken - 0,03% Artischocke, 99,97% - Füllung. Was ist das überhaupt? Frischkäse? Warum ist er denn so hart und kalt wie mein Singledasein? Und warum so viel? Frischkäse dezent umhüllt von Espuma mit Artischockenduft für 7,90 bitte. Essbares vom Rummel war doch aber schon immer der Push-Up und die Fake Lashes unter den Fastfooderzeugnissen. Das weiß man doch, Frau Mora. Ja, sollte man eigentlich wissen. Eine ca. 50-jährige Dame mit dem eingefrorenen Pfui-Ausdruck im Gesicht administriert dem Schaschlik-Verkäufer: «Meinen Fleischspieß packen Sie aber bitte ein!». «Jawohllll!» - man sieht ihm an, dass es ihn nervös macht

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Du bist doch Künstler, ich geb’ dir mal mein Urlaubsfoto, warte mal kurz.

06.08.2017
Kann nicht schweigen. Muss Senf abladen. Meine Künstlerkollegin und Ex-Kommilitonin Sybel Foo ist gerade verständlicherweise genervt von blasiert-dämlich-auftrumpfenden Eingriffen in ihr künstlerisches Schaffen, nämlich von ähm Tipps, was sie wie zu malen/tun hätte. Eigentlich klar, dass Menschen, die noch einigermaßen bei Trost sind, so was nicht bringen. Dennoch scheint es so’n immanentes Ding der Spezies «Mensch» zu sein, dass der Kontakt auf Augenhöhe nur schwer zu ertragen ist. Früher oder später versucht der Eine dem Anderen unauffällig auf den Kopf zu klettern und von dort aus ein bisschen vor sich hin zu dominieren. Besonders lächerlich wirkt das, wenn demjenigen Dominierer keine Landeerlaubnis erteilt wurde, wenn es schlicht und einfach nicht sein Territorium ist, er aber trotzdem hartnäckig versucht, oben zu bleiben. Im Prinzip ist es immer eine Frage dessen, was man sich leisten kann. Wenn man in eine Situation kommt, in der es nicht so eindeutig ist, wer sich was leisten kann, ist es manchmal hilfreich, sich zwei Fragen zu stellen:

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«Clumsiness» e.V

04.08.2017
Aus dem Leben einer Trotteline™

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Puh…

04.08.2017
Na super, hab mir vorhin ein Date entgehen lassen. Wurde nämlich an der Ampel am Albertplatz vom einem ca. 50-Jährigen aufm Fahrrad angestarrt, und als ich zurück starrte, zeigte er mir mit Händen und Mimik, dass ich meine Kopfhörer raus stöpseln soll. "Das ist ja prima, dass gerade rot ist, darf ich Sie was fragen?" Bitte nicht nach dem Weg fragen, bitte bitte nicht, ich hab schon Leute nach Prohlis geschickt, die einfach nur hätten zweimal abbiegen müssen, dachte ich erschrocken. "Mögen Sie Roland Kaiser?" Ich weiß nicht, was da in dem Moment in meinem Gesicht stattfand, aber er sagte:" Ok, ist wohl nicht ganz ihre Welt?" und deutete auf die Kopfhörer. Tja, in den Kopfhörern ist seit drei Monaten der prolligste Soundtrack aller Zeiten - der von "Suicide Squad», was aber keineswegs meinen Musikgeschmack beschreibt. (Das ist sowieso meine Lieblingsangst, dass jemand plötzlich meine Kopfhörer rauszieht und kurz mit hört und dann zeigt der ganze Bus mit dem Finger auf mich und alle lachen sich die Innereien aus dem Leib, weil ich gerade mit einem Gemisch aus Sinatra und der italienischen Nationalhymne versuche, die richtige Stimmung aufzubauen (welche auch immer das ist, don’t ask) Und jetzt hab ich auch noch schweren Herzens auf Roland Kaiser verzichtet, der

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Zukunftspläne

19.04.2017
Nicht die blaßeste Ahnung, was in den nächsten Minuten, Wochen, Monaten, Jahren passiert, aber eins weiß ich sicher...

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Feminfantilismus

30.03.2017
Entschuldigung, haben Sie irgendwo meinen Feminismus gesehen? Ich habe noch nie irgendwelche Texte über den Feminismus geschrieben oder mich auf welche Art auch immer dazu geäußert, einfach weil ich denke, dass es Menschen gibt, die da viel mehr zu sagen haben. Da das nicht mein Interessengebiet ist, weiß ich gar nicht, was so die aktuell feministischen Belange und Tendenzen sind, aber ein Paar Dinge verwirren mich in letzter Zeit und bringen mich dazu, darüber nachzudenken, was der Feminismus definitiv NICHT ist.

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«Ist jemand von den Erwachsenen da?»

11.12.2016
Menschen, die vor langer, langer Zeit eine sehr große Rolle in deinem Leben gespielt haben, kannst du nicht einfach so treffen. Wie sieht denn das aus? Wir hatten so ein brasilianisches Drama mit Tellerschmeißen und Bettwäschezerrupfen, und jetzt sitzen wir beim Bäcker um die Ecke und rühren in unseren Tassen? Absolut unvorstellbar. Links neben uns fallen andauernd Tabletts aus dem Wagen, rechts von uns wird gerade eine Windel gewechselt, die Bäckerin schreit in die Küche...

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sweet dreams are made of this

05.11.2016
Wie wär’s mit dem 11. Gebot «Du sollst nicht projizieren!»? Mein Hund träumt neuerdings ziemlich heftig. Es ist an sich nichts ungewöhnliches. Es ist sogar normal, dass sobald sich eine Familie auf der Couch einnistet - jeder ein Glas Wein und eine Packung Spekulatius in der Hand - der Hund, der bis jetzt friedlich auf seiner Decke schlummerte, plötzlich anfängt mit allen Extremitäten zu wackeln, zu bellen, zu schnauben, ganz fürchterlich besorgniserregend mit den Augen zu rollen und zu schmatzen. Ganz klar: er hat die Gazelle nun doch erwischt, alle Tiere in der Savanne heulen. Toller Traum. Applaus Applaus. Meiner bringt diese Nummer nun schon seit 6 Jahren und bis jetzt dachte ich immer nur: «Ooooooh, er träumt wieder…» oder: «Что тебе снится, крейсер Аврора?»

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Was danach?

05.11.2016
...

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Mit nur einem Arm einen Garten anlegen

04.11.2016
Och nääääääääh… Wieder mal in eine Debatte über «Wohin mit dem traumarelevanten Material» rein geplatzt und konnte nicht einfach dran vorbei gehen…(Dazu muss man sagen, dass die russischsprachigen Traumatiker im Durchschnitt etwas radikalere Ansichten vertreten) Ich bin ja der Meinung, dass persönliche Traumata behandelt gehören. Ohne, dass man diese übermäßig romantisiert und ohne die Freunde/Familie als Füllmaterial für allerlei schwarze Löcher in der eigenen Psyche zu benutzen. (Das sag ich aber jetzt als jemand, der an der Stelle, wo die Psyche sein sollte, irgendeinen Scheiß mit ‘nem Schleifchen drüber hat). Nicht selten reagiert ein traumatisierter Gegenüber empört und enttäuscht, wenn man ihm sagt, dass es: 1)natürlich ein Leben nach dem Trauma gibt, sofern man dieses überlebt hat: und 2)dieses Leben auch sehr schön und sehr sinnvoll sein kann. Man reagiert so, weil man da raus hört: «Du musst jetzt sofort aufstehen, deine schusssichere Weste ablegen, in die unberechenbare Welt hinaus treten und gefälligst normal sein!» (Du faules Stück, du). Dazu kommt, dass man sich solche «Aufmunterungen» nicht von jedem gefallen lassen möchte. Jemand, der in der Thematik nicht drin steckt, kann sich seine Vorstellungen von Normalität und Glück gerne aufs Brot schmieren. Dabei ist dieses «das Leben kann trotzdem schön sein» einfach nur der übernächste Schritt. Das heißt, wenn man es schaffen würde, nach so einem Satz nicht sofort in die Defensive zu gehen, würde man vermutlich sogar zustimmen

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31.10.2016
Dieses seltsame Geräusch, das mich heute den ganzen Tag verfolgte - so eine gedämpfte Mischung aus Knattern und Summen, als wäre irgendwo weit weg ein kleiner blauer Traktor unterwegs, den man aber nicht sehen kann; das Geräusch wanderte durch die Wohnung, wurde mal leiser, mal lauter, mal richtig laut, mal war es direkt hinter mir, mal irgendwo rechts unten neben dem Schreibtisch ...

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Inneres Schwein. Liebenswert.

27.10.2016
wenn die Frau mit den Kindern für zehn Tage allein verreist, ist der erste Abend in der leeren Wohnung euphorisierend geil. Schon der bloße Gedanke daran, dass es heute keinen Broccoliauflauf mit Filinchen gibt, sondern eine Pizza Diavola mit extra Jalapeños, macht einen glücklich. Dazu trinkt man ein Bier und benutzt keinen Untersetzer. Am zweiten und am dritten Tag ist es immer noch genau so gut. Am vierten Tag werden aus einem Bier…nun ja, mehrere, und man raucht in der Wohnung und ascht die Tastatur voll. Am fünften Tag versucht man Abwechslung rein zu bringen und bestellt chinesische Nudeln. Dazu trinkt man eine Tasse Jägermeister. Mit Tasse ist die Tasse gemeint, die irgendjemand mal als Gag mitgebracht hatte, weil 1,5 Liter rein passen. So langsam wird es langweilig und man weiß nicht mehr, wie man noch mehr Hedonismus rein bringen soll. Burger und Döner hatte man nämlich auch schon. Man legt einen Entlastungstag ein...

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Gehstekrachen Nr. 3736229

11.09.2016
Auf dem Weg zur Elbe nutzt Dieser Schräge Hund™ die Überlänge der Leine aus, um sich einen knusprig verwesten Krähenflügel zu gönnen. Ich tue so, als würde ich ein bisschen aus der Haut fahren, aber es ist einfach zu heiß und der didaktische Effekt bleibt eh' aus. Hunde mögen...

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Düfte, Komplexe, Schönheit, Nahrungskette.

09.09.2016
Klassenarroganz ist umso erquicklicher, je weniger gerechtfertigt sie ist. Im Dresdner Barockviertel ist heute Cocktail-Night, was im Klartext bedeutet, dass alle Arten von Milfs die Gelegenheit haben, ihre Solariumbräune und ihre Sommerkleider mitten in der Woche auszuführen und die Geschäfte bis 22 Uhr Cocktails mixen, in der Hoffnung, die aussichtslosesten Ladenhüter, durch festliches Drapieren und Beleuchten den beschwipsten Kunden besser andrehen zu können. Ich habe wie immer nichts davon gewusst und bin quasi im Pyjama, mit zerzausten Haaren, einer prächtigen Knoblauchfahne und meinem Hund, der, nun ja, machen wir uns nichts vor, ein wenig riecht, da rein geplatzt. Der Hund zog mich natürlich gleich in eine Parfümerie rein (er zieht mich immer irgendwo rein, früher waren's Kneipen, danach Spätis. Räumlichkeiten, die er offenbar am besten kennt). Da standen wir nun. Ringsum Flakons, Spiegel, Bürokauffrauen in geilen Schuhen, Typen mit einem "Ich-bin-in-der-Hölle"-Gesicht, alle mit mindestens drei Cocktails intus, schwere Limetten-und Vodkadämpfe in der Luft. Ich streunte ein wenig zwischen den Regalen, alles, was ich dort sah, kannte ich schon auswendig. Ich und Parfümerie - ist ein Thema für sich. Es fing vor vielen vielen Jahren an, da war ich noch ganz klein, als das mystische Wort "Orchidee" in meinem Wortschatz einen Platz fand. Es muss für meine damaligen Mitmenschen ziemlich anstrengend gewesen sein, weil ich seitdem begeistert und ein wenig manisch alle Phänomene und Gegenstände auf ihre Orchideenhaftigkeit untersuchte. Orchidee, Orchidee, Orchidee. Irgendwann kamen Iris, Flieder, Tulpen und Tannen hinzu, die fleischigen Köpfe der Pfingstrosen dufteten wie Himmel, hatten jedoch Jahr für Jahr einen immer schlimmer werdenden Ameisenbefall. Traditionen müssen sein. Heute habe ich einen ganz guten Überblick, welche Zutaten wo auf welche Weise gemixt werden und weiß leider auch, was Nischenparfümerie bedeutet. Leider, weil

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August

31.08.2016
An sein Unterbewusstsein ran zu kommen, ist schwerer als man denkt. (Warum man das überhaupt macht, anstatt sich einfach darauf zu verlassen, dass man schon nicht vergessen wird, wie man atmet und läuft, ist die andere Frage). Für alle, die das tun möchten, gibt es Tausende von Techniken und Übungen und dies&jenes. "Das hätteste gerne!" - sagt da mein Unterbewusstsein. "Hier hast du erstmal eine hübsche Anzahl von inneren Filtern, Blockierungen und Täuschungen, die du umgehen musst, und wenn du die ganzen Fallen, die ich dir liebevoll gestellt habe, und alle tiefen Schluchten, nach deren Überwindung jeder normaler Mensch aufgeben sollte, hinter dich gebracht hast, kommst du auf eine sonnenüberflutete Lichtung, mit herrlichen dunkelblauen Tannen ringsum, dort liegt eine Kiste für dich beireit. In der Kiste ist ein kleiner Beutel, im Beutel - ein Überraschungsei. Das machst du auf. Und drin ist gar nichts. Herzlichen Glückwunsch. Hat sich gelohnt, wa?" Jedenfalls, egal, welche Technik ich ausprobiere, es kommt immer ungefähr das gleiche raus: ich nehme weder mich noch mein Leben ernst und mein bester Freund ist ein quadrupeder, ewig haarender Melancholiker.

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Rumnörgeln for Freedom

28.08.2016
Wie dem auch sei. Ich stelle in letzter Zeit oft fest, dass erschreckend viele kreative Äußerungen (Texte, Bilder, Lyrik, Videos etc.) mit dem aufwertenden Zusatz "Im Namen der/des..." versehen werden. Aufwertend und manchmal sich entschuldigend. Man darf irgendwie nicht mehr kreativ sein nur der Kreativität wegen. Das scheint als rückständig zu gelten. Es muss irgendeinen höheren Sinn haben, im Idealfall ganz vielen Menschen helfen, oder zumindest auf irgendein Problem hinweisen. Wenn du von 1997 bis 2004 essgestört warst und auf die Idee kommst, diese Erfahrungen in Worte zu fassen, um diese wiederum zu wohlklingenden, sich flüssig lesenden Sätzen zusammenzufügen, dann vergiss bloß nicht, drüber zu schreiben, dass du im Namen aller Frauen gegen die beknackten ästhetischen Vorstellungen, die die Medien/Männer/homosexuelle Modedesigner (zutreffendes auswählen) vom weiblichen Körper haben, kämpfst und ab sofort mit der so knusprigen Vokabel "Frauenrechte" in Verbindung gebracht zu werden wünschst. Kann es aber nicht einfach nur eine traurige, persönliche Geschichte einer Frau bleiben, die auf ihrem Weg in die Krankheit rein und aus der Krankheit wieder raus ganz schön einsam war? Ich glaube, dass eine authentische, ehrliche, traurige oder auch stellenweise witzige kreative Äußerung, welcher Art auch immer, tatsächlich Menschen erreichen kann, die gerade selbst mitten drin stecken und eine flüchtige Berührung an der Schulter brauchen, die ihnen sagt: "Hier. Ich bin da, ich hab das auch erlebt.". Diese Berührung darf und wird auch von einem Stoff ausgehen, der kein Prädikat "besonders gesellschaftlich relevanter und sozialkritischer Artikel" als fetten Banner trägt. Irgendwie haben viele Angst davor narzisstisch zu wirken, wenn sie ihrem kreativen Prozess keine sinnvolle Aufgabe geben, sondern einfach nur drauf los schreiben, malen, dichten, fotografieren, performen. Wenn sie eben diesen Prozess nicht wie einen abgerichteten Hund auf irgendwelche Feinde und Unterdrücker losschicken. Und ich lass mich davon beeinflussen! Ja. Geb ich zu. Aber, oh man! Genau dadurch wirkt man doch erst recht narzisstisch! Wenn man sich selbst ständig maßlos überschätzt in seinen Weltretterfantasien; wenn über einem sehr persönlichen, schon fast egozentrischen...

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Aus dem Leben einer Trotteline™

05.08.2016
Manche Menschen sind einfach. Wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert, kompensieren sie. Und zwar so, das jeder gleich, versteht: aha, der da kompensiert gerade. Z. Bsp. kenne ich eine Frau, die nachdem ihr Lieblingshund verstorben war, fünf Katzen und eine Achatschnecke adoptiert hat. Auch kenne ich jemanden, der nachdem seine Souterrainwohnung überschwemmt wurde, in den...jetzt müsste ich lügen, ich glaub,in den 100. Stock gezogen ist oder so. Überkompensationen sind also auch weit verbreitet. Frau Mora ist anders. Frau Mora ist so'ne Art Großstadtverrückte, die hellblauen Lidschatten oberhalb und unterhalb der Augenbrauen trägt und täglich mit zwei Eimern Hühnerkot in die Innenstadt geht, um damit die Tauben zu füttern. Nur, dass sie's natürlich nicht tut. Aber daran gedacht hat sie schon. Jedenfalls sehen Frau Moras Kompensationen dementsprechend dement aus. Gestern Nacht etwa ...

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Juli. Unterm Strich.

05.08.2016
Der Juli 2016 war so reich an Ereignissen und Erkenntnissen, dass ich gar nicht darüber reden möchte. Stattdessen tue ich das, was ich in solchen Situationen immer tue: alles relativieren und ins Lächerliche ziehen. (Hundewelpen erledigen das auf eine ähnliche Weise - "Wenn du Etwas nicht einordnen kannst, dann friss es oder pinkel drauf!"). Deshalb fasse ich kurz zusammen, was im Klartext heißt - mir fehlen die Worte und deshalb knalle ich hier einfach meine privaten (oh, là, là!) fb-Statusmeldungen rein von Juli 2016. Faulheit, wie sie im Buche steht, ja:

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Es wird endlich ernst. Ernsthaft?

19.07.2016
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Fräulein Primel eine Person ist, die sich gern von den simpelsten Dingen überfordern lässt, dabei jedoch zu fast allem eine Meinung hat. Eine Kombination, die alle anderen Figuren im Buch furchtbar unsympathisch finden würden, wenn da nicht Fräuleins unheilbare, an Slapstick grenzende Tollpatschigkeit wäre. Diese gleicht das wieder aus. Es ist schwer, von Jemanden aufgrund seiner Neunmalklugheit lange genervt zu sein, wenn dieser Jemand zum Beispiel nur die Hälfte seines rechten Beines rasiert hat und das linke komplett zugewuchert ließ, weil ihm das zu anstrengend wurde, weil die nassen Haare zu schwer waren, weil irgendwas von oben tröpfelte oder, schlicht und einfach, weil ihm mitten im Prozess des Rasierens die Sinnlosigkeit allen Tuns bewusst wurde und er sich lieber mit dem Lesen der Shampoo-Flasche abgelenkt hat.

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Even deeper

10.07.2016
Seit ich das erste Mal den beängstigend attraktiven Anglerfisch gesehen hab, war es meine liebste Gruselfantasie, in einer sphärischen, von allen Seiten durchsichtigen, dem enormen Druck standhaltenden Kapsel in die tiefste Untiefe zu tauchen, da wo diese ganzen unvorstellbaren Arten und göttliche Humorübungen leben. Diese ganzen unförmigen, geleeartigen, fünfäugigen und weiss der Geier, welche noch Kreaturen. Ich träumte davon, mit meiner Kapsel ganz unten weich aufzuschlagen, für einige Sekunden das Licht anzumachen und…an Ekel zu sterben.

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Juni. Achtsamkeit

30.06.2016
Hippie-Modus on. Wenn man viele Jahre überall und nirgendwo war und sich daran gewöhnt hat, ausschließlich komplexe und schwierige Dinge als normal wahrzunehmen, ist es sehr schwer, einfach nur zu sein. Da zu sein. In einer verlässlichen Welt, die man nicht kontrollieren muss - es ist ohnehin eine beliebte aber eine lähmende Illusion, dass man sich die Welt berechenbar und sicher basteln kann

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Auf dem Weg zur Sicherheit ist uns die Normalität abhanden gekommen.

25.06.2016
Fallbeschreibung: eine weltoffene, lustige, paar-und-50-jährige Frau ist zu Besuch in Dresden. Bei einem Spaziergang fotografiert sie alles, was sie schön oder interessant findet: Blumen, Wiesen, Hunde, die eisessende Menschen anstarren, eisessende Menschen, die mit ihrem Eis den Fußboden voll topfen, sanierte Hausfassaden, unsanierte Hausfassaden, Tauben, Krähen, Kinder. Wieder in der Wohnung angekommen, zieht sie die Fotos auf den Laptop, um sie noch einmal auf dem Monitor anzuschauen. Dabei fällt es ihren Gastgebern auf, dass darunter auch einige Fotos von nackten Kindern sind, welche im Springbrunnen baden. Es kommt zu einem Dialog, bei dem offenbar zwei Welten aufeinander prallen. Sinngemäß geht es um «Ich versteh nicht, was daran so schlimm ist, einpaar nacksche Kinder zu fotografieren.» vs. «Ich kann es nicht fassen, dass du das selbst nicht siehst. Ein Wunder, dass dich deren Eltern nicht auf der Stelle zerfleischt haben.». Kognitive Dissonanz auf beiden Seiten. Nennen wir es mal «kulturelle Unterschiede», weil man letzten Endes alles auf die Kultur schieben kann. Um zu verstehen, was hier eigentlich aufeinander prallt, schauen wir uns jede dieser «Welten» genauer an.

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linguaphile innere Kumpels

03.06.2016
Elfriede Scholz - die kleine Schwester von Remarque. Ich weiß immer noch nicht, ob Remarque ein guter Schriftsteller war oder nicht. Mag sein, dass die Sprache sehr journalistisch ist, aber ich liebe ihn ganz inniglich. Ich liebe ihn wie einen langjährigen Freund. Vor 17 Jahren saß ich jeden Tag nach der Schule in meinem Zimmer, in der linken Hand - das Wörterbuch, in der rechten - «Arc de Triomphe» und verstand kein Wort...

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Noch einmal über persönliche Grenzen.

24.05.2016
...Diese junge Mutter schilderte der bekannten Bloggerin ihre Situation: sie werde permanent von wildfremden Verrückten mit gut gemeinten Ratschlägen zugeklatscht, was sie denn bei ihrem Kind endlich richtig machen soll. Da die junge Mutter eine sehr entspannte junge Mutter ist und ihre Kids auch mal durch Pfützen laufen lässt und keine Zustände bekommt, wenn ihr Sprössling bäuchlings in einen Teich fällt, sondern ihn in aller Ruhe da wieder raus zieht und zuhause einfach in trockene Kleidung steckt, ist sie quasi ein gefundenes Fressen für allerlei Spinnerinnen, die sich gern damit trösten, alles über Kindererziehung zu wissen, wobei ihre eigenen Gören wenn schon nicht im Knast sitzen, dann aber auf irgendeine andere Art total unglücklich sind. Nachdem eine solche Furie die junge Mutter beim Spaziergang attackiert hatte und ihr sogar drohte die Polizei zu rufen, wenn sie ihr in den Teich gefallenes Kind nicht auf der Stelle ins Heim bringt, wo es ihm sicherlich besser gehen würde als zuhause, bekam die sonst recht entspannte junge Mutter eine unkuschelige Paranoia, welche ihre Lebensqualität massiv verschlechterte, da sie nun hinter jedem Gebüsch eine Verrückte mit empor gestrecktem Smartphone vermutete, die ihr mit solchem «Beweismaterial» ganz konkret schaden könnte.

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Mitgefühl im Namen der Männlichkeit

06.05.2016
«Der schlimmste Tag im Jahr» - seufzt mein aktueller Späti-Verkäufer des Vertrauens. Warum ich mich an so einem Tag überhaupt vor die Tür traue, ist die andere Frage, schließlich leb ich doch schon seit, sage und kreische, 17 Jahren in Deutschland und die ungelenke Prachtblüte geballter deutscher Männlichkeit entfaltet sich jedes Jahr auf die gleiche Art und Weise. Mein Hund hat allerdings protestiert. Kaum waren wir draußen, legte er sich auf den Boden und sagte: «Nee!!! Ohne mich!». Ich musste ihn wieder in die Wohnung tragen, weil er lieber totale Gelähmtheit vortäuscht und seine eigene Zugehörigkeit zur Männerwelt abstreitet, als diesem Spektakel beizuwohnen. Ich hab mich so umgehört. Offenbar hab ich zur Zeit eine ziemlich unpopuläre Meinung zum Thema «deutsche Männer» - ich mag nämlich die deutschen Männer.

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Gute Manieren retten Leben!

04.05.2016
Es ist natürlich nicht ganz so dramatisch, aber sie können einen immerhin vor unerwünschter Berühmtheit bewahren. Viele Menschen sträuben sich gegen gute Manieren, weil sie denken, dass sie «für die Tante» oder «für den Onkel» artig sein sollen und das will man als Erwachsener nicht mehr. Verständlich. Aber gute Manieren dienen einzig und allein zum eigenen Schutze. Ich, zum Beispiel, war gerade mit meinem Hund im Regen spazieren und blieb an einem Schuhgeschäft kleben, um eine violette Sandale anzuhimmeln. Weil ich mich unbeobachtet fühlte, gähnte ich dabei so hingebungsvoll, dass irgendwelche Schädelknochen hinter den Ohren knirschten.

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Ach übrigens!

29.04.2016
Unser Ratgeber ist übrigens seit fast einem Jahr draußen und wurde zum Beispiel in Thalia-Buchhandlungen gesichtet. Alle von mir befragten Eltern fanden es hilfreich bzw. interessant zu lesen. Auch so manche kinderlose Leser berichteten, es sei spannender als «Mord im Orient-Express» und sauge einen förmlich ein, trotz der gruseligen Bilder (sic!). Hehe. Die Bilder nehme ich auf meine Kappe. Der Text ist tadellos, weil die Autorin immense Erfahrung auf ihrem Gebiet hat.

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«In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.»

24.04.2016
Nee, ich versteh das nicht. Das heißt, ich versteh das schon, aber ich versteh’s halt einfach nicht. Schon wieder weht so eine leicht muffige, enttäuscht-empörte Brise durch die virtuelle Welt. Die User klagen die sozialen Netzwerke an, in welchen sie bis zum Scheitel festsitzen, ihr Denkvermögen, ihre Tiefgründigkeit und sogar ihre Beziehungen zu zerstören.

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle VII

17.03.2016
Liebes Tagebuch, ja, wie du siehst, habe ich schon sehr lange nichts geschrieben. Ich führe zur Zeit ein bequemes, ereignisarmes Leben und mein säuerlich-ver­drieß­licher Gesichtsausdruck, den ich mir seit Jahren täglich für mindestens drei Stunden in Folge auf mein Antlitz zaubere, hat endlich Früchte getragen und meine Verrückte dazu gebracht, das Hundekörbchen ganz abzuschaffen, anstatt es immer wieder zu verschönern, neu zu drapieren, zu optimieren und es mir schmackhaft machen zu wollen. Ich besitze nun einen eigenen Sessel, und da dieser inzwischen zu 95,99% aus meinem Fell besteht, wird auch nie wieder ein Mensch sich erdreisten, ihn zu begehren. Ha. Ha. Weshalb ich eigentlich schreibe, liebes Tagebuch, ist, weil ich dir von unserem heutigen Ausflug berichten möchte. Du weißt ja, ich mache mir nun schon seit 5,5 Jahren Sorgen um meine Verrückte, sie gibt sich sehr viel Mühe, ihr wunderliches Oberstübchen nicht komplett einstürzen zu lassen, doch manchmal sickert’s durch und dann plagen mich allerlei zukunftsbezogene Ängste. Bei wem wohne ich, wenn sie unwiederbringlich in die Anstalt abtransportiert wird? Wer kauft mir meine Biomöhren? Ich mag neuerdings nur die gelben, sie sind saftig und aromatisch. Da mir immer noch niemand einfällt, der sich meiner annehmen würde, habe ich beschlossen...

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Dilemmata und Dilemmchen

17.03.2016
Es gibt so viele Dinge, von denen unser Gehirn täglich herausgefordert werden kann. Fragen «Wer steckt dahinter?» und «Was kann man dagegen tun?», moralische, weltpolitische, genderspezifische Rätsel. Tausende davon. Ist man ein Krieger der Fraktion «Aktion» hat man es etwas leichter, weil man sich mit konkreten, greifbaren Inhalten beschäftigt (Sticker gestalten, Sticker drucken, Unterricht geben, für andere kochen, raus gehen - Meinung kundtun). Ist man hingegen ein einsamer Ritter der (ausschließlich) Couch & Laptop-Abteilung, leistet man viel mehr und rädert seine Hirnrinde gnadenlos, bis diese völlig unbrauchbar wird. Es frisst viel mehr Energie, wenn man...

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Innere Kinder, innere Rotzgören, ewige Opferrollen. Und natürlich unsere gute, alte Freundin — die böse, böse Gesellschaft.

07.03.2016
Wenn man eher aufmerksam als unaufmerksam ist und genauer hinschaut, sieht man in absolut jedem Menschen sein inneres Kind (mindestens eins). Hmm…Etwa auch in den gegelten, bekrawatteten, aalglatten Topmanagern? Gerade in ihnen! Wenn so ein supereffektiver Leistungsfanatiker nämlich kurz nicht aufpasst, seine Zigarette weg legt und zur Seite blickt, dann fliegt so ein leichter Schatten über sein Gesicht. Aus der Gelfrisur rutscht eine Strähne und legt sich über die hohe Computerstirn. In diesem Moment, in diesen 2,5 Sekunden, in denen er sich nicht wie ein Wahnsinniger kotrolliert, sieht man den kleinen Jungen, der…ihr wisst schon - «Du hast mit mir gefälligst nicht rum zu diskutieren, du Rotznase!» und «Wie bist denn du drauf? Ab in dein Zimmer und komm erst wieder, wenn du dich beherrschen kannst!» und ganz besonders «Sag mal, was malst denn du mir hier Bilder von irgendwelchen Vögeln, wenn du deine Mathe-Hausaufgaben noch gar nicht angerührt hast?! Bei dir piept’s wohl?». Und dann fühlt man kurz dieses: ach komm zu Mama. Doch schon zieht er beherzt an seiner Kippe und klopft mit den knochigen Spinnenfingern ungeduldig auf den Tisch und grinst wie der Teufel persönlich: «Hopp hopp, Fräulein, wir wollen fertig werden!». Zack, hat er sein inneres Kind zurück gepfiffen.

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März

01.03.2016
Na ja, herzlichen Glückwunsch, Mademoiselle. Jetzt wo der Winter zurück kommt, haben wir endlich die Weihnachtsdeko - all das Goldene, Stachelige, Klirrende - in Kisten gepackt und zum Übersommern ins Regal gestellt. Ein bisschen schade ist es, dass die armen Krokusse da draußen sich wohl zu früh gefreut haben. Sie versuchen es natürlich, aber es sieht nicht gut aus. Überall in der Stadt sind Fotografen unterwegs: schneebehangene Äste von unten, schneebehangene Äste von oben, von der Seite, schräg, schwingend und ganze Ladungen abwerfend, aufgeschreckte Vogelschwärme, Passanten, die sich plötzlich wie ein Korkenzieher drehen und versuchen mit beiden Händen Schnee aus der Kapuze zu schütteln. Beliebtes Motiv - gekühlte Krokusse im Schneemantel. Apropos Mittagskarte - im italienischen Restaurant am goldenen Reiter gibt’s frische Muscheln für 10 euro. Und zwar seit ungefähr anderthalb Wochen. Inzwischen dürften sie den höchsten Grad der Frische erreicht haben. Also irgendwie gut, dass es wieder ein bisschen kälter wird.

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Ekelhaft-physiologisches

24.02.2016
Die Sache mit dem Frauenarzt

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Februar

04.02.2016
«Ob Menschenkind oder Menschenhund ist oft genau so einerlei wie ein unbemaltes Osterei, einmal von vorn und einmal in Profilansicht» - dachte ich soeben als ich an einem Kindergarten vorbeiging und meinen sturen Esel der Marke Canis lupus familiaris hinter mir her schleifte.

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Sonntagliches

31.01.2016
Just So Stories

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Annonce

29.01.2016
Was, zum dicken Kaktus, ist denn ein Fräulein Primel? Ist es nun ein Kind oder eine Frau? Wenn das ein Kind ist, warum hat es solche, Verzeihung, Möpse? Und wenn das eine Frau sein soll, warum sieht sie so albern puppenhaft aus? Was soll denn dieses Flirten mit dem Kindchenschema? Nun ja, die Wahrheit ist - Fräulein Primel ist sowohl als auch bzw. weder noch. Und nein, das Fräulein kokettiert nicht im Geringsten mit dem lolitösen Klischee. Es ist vielmehr ein ähnliches Phänomen wie der Karlsson vom Dach, welcher ja behauptet, «ein Mann in den besten Jahren» zu sein, dabei jedoch kaum größer als ein Grundschulkind ist und sich vor allem nicht besonders erwachsen benimmt. So etwas gibt es machmal. Unsere inneren Kinder tragen wir alle in uns; bei dem Einen ist es stärker ausgeprägt, bei dem Anderen schwächer.

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Generationssalat

05.01.2016
Da meine Eltern natürlich auch ganz normale menschliche Spezies sind und keine Exponate aus dem Landesmuseum für Heiligkeit, waren sie in ihren Rollen absolut unzumutbar. Es ist gewissermaßen der ewige Kreislauf der Sinnsuche, der mit irgendwelchem Mist anfängt, mit Überwindung und Hoffnung fortgesetzt wird und, so Gott will, damit endet, dass man zumindest ein bisschen zur Ruhe kommt und aufhört, sich mit seinem muffigen Innenleben zu beschäftigen, bevor der ganze Spass von vorn losgeht. Alle Menschen müssen da durch. In irgendeiner Form. Und wisst ihr was? Es ist überhaupt nicht schlimm. Wenn man Kinder hat, braucht man sich eigentlich keine Mühe zu geben. Man wird es garantiert sowieso falsch machen. Die, die als Kinder ein Dauerabo für Prügelstrafen und ne Flatrate fürs Nackig-Ausgesperrt-Sein hatten, jammern genau so laut wie die, deren Mutti sie mal damit fürs Leben zeichnete, dass sie sagte: «Nein, du kriegst keinen Keks mehr.». Ob Scheidungskind oder Familienliebling - sie werden alle irgendwas finden, was es zu überwinden gilt. Der Mensch ist so konzipiert, dass er sich ständig langweilt, und Überwindung sorgt für Action. Es ist egal, wie man sich in seiner Elternrolle austobt.

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Dezember

21.12.2015
Es ist also dunkel und kalt und windig wie Sau, und alle normalen Menschen sind längst auf ihren beigefarbenen Käutschen in ihren cremefarbenen Wohnzimmern und ich hab aber einen Hund, der hin und wieder gern vorm Schlafengehen noch fix und routiniert Durchfall kriegt und deshalb lauf ich also kurz vor zwölf durch Nacht und Wind um den goldenen Reiter herum mit meinem Kind und singe meinen Schamanen-Song und haue kräftig auf den Gong und steck’ mir Federn in den Kopf und werfe Steine in den Topf (Hallo, Nicole! Hab mir heute dein-mein Gedicht wieder durchgelesen :) ). Es pfeift und scheppert, aber es hilft ja nix. Wir laufen und laufen und der Halbmond liegt aufm Rücken und ist gelb wie ein alter Käse. In meinem dummen Schädel ist es leider nie ruhig. Das heißt…doch, manchmal, wenn man mich zum Beispiel ins Wasser taucht (am besten mit dem Kopf zuerst). Es gibt nämlich Menschen, die man im wahrsten Sinne des Wortes aufweichen muss. Man braucht mich also nur in irgendeinen See zu stecken, Badewanne reicht manchmal auch, und sechs bis acht Stunden nicht raus zu lassen. Wenn ich dabei auch noch einen tannengrünen Berg angucken kann, geht’s sogar schneller. Danach bin ich richtig durchgeweicht und aufgeweicht und hab kaum irgendwelche Gedanken oder Kopfgequatsche, sondern starre vor mich hin wie ein Bär, der alle Himbeeren und den ganzen Honig gefressen hat und in dessen Gesicht rein gar nichts zu lesen ist, außer vielleicht «Boah, geil…». Aber wo nimmt man nachts um zwölf einen See oder eine Badewanne her?

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«Woman Is the Nigger of the World»

18.12.2015
Scheint wirklich kein Zufall zu sein, dass ich mich so lange von meinem Kaiser-Wilhelm-Bart nicht trennen wollte, der mir mitten im Gesicht wuchs. Es ist offiziell - ich bin ein Mann und dazu auch noch ein Arschloch. Wir haben hier hitzige Diskussionen am Küchentisch, und fast immer geht es um dieses vermaledeite Mann-Frau-Zeugs. Nun wurde wieder einmal ein durch und durch gutes, fabelhaftes, in jeder Hinsicht fantastisches Mädchen von einem unzumutbar gemeinen Fiesling verlassen, der sicherlich nur darauf gewartet hat, bis sie in Weihnachtsstimmung kommt, um ihr richtig dolle weh zu tun. Was für ein Monster. Dazu werden noch andere, an Grausamkeit nicht zu übertreffenden, Beispiele ausgepackt, die die These belegen sollen, dass es wohl dem männlichen Naturell entspricht, sich so skrupellos und egoistisch aufzuführen. Hm…ich weiß nicht, ich treffe in letzter Zeit eher die «Willst du meine neue Mami sein»-Typen, aber nun gut. Immer, wenn ich höre, wie die Männer angeblich sind, habe ich ein starkes Bedürfnis, mit meiner riesigen Faust auf den Tisch zu hauen und mein Negligee zu zerreissen, damit die haarige Brust zum Vorschein kommt, wahrend ich sage: «Nee, wir Männer sind gar nicht so! Wir sind auch nur Menschen.». Interpretieren wir da mal nicht zu viel hinein, bei Hunden geht es mir ähnlich. Da spitz ich auch mal die Ohren und sage :»Stimmt nicht. Bei uns Hunden ist es ganz anders.». Jedenfalls ging ich auch dieses Mal nicht für Frauen auf die Barrikaden.

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Mit einem Satz

10.12.2015
Mein geheimnisvolles Haustier ahnt wohl, dass der Sommer nicht weit ist und versucht jetzt schon für eine ansehnliche Bikinifigur zu sorgen, indem es seit zwei Tagen eine Nulldiät macht, abgesehen natürlich von den großzügigen Klumpen Kartoffelbrei, Käse, Garnelen und Eisbergsalat, die es hier neuerdings wie durch Zauberhand vom Tisch regnet, seitdem meine Mutter da ist, was aber nicht mal ansatzweise seiner normalen Futtermenge von rund anderthalb Kühen täglich entspricht, weshalb ich mir ernsthaft die Frage stelle, wie er bitteschön immer noch zu solch prächtigen Kotmengen kommt, und mir nichts anderes einfällt als, dass er sich entweder jede Nacht heimlich raus schleicht und sich in der Neustadt zwei Döner mit allem, chinesische Nudeln, Muffins und ne Cola holt oder, dass er ein Naturtalent ist und schlicht und einfach aus Luft Schieße produziert.

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Was ich denke?

25.11.2015
Ich denke, dass es sehr traurig ist, wenn so viele kluge und angenehme Menschen an der Erschaffung einer Welt mit basteln, in der es täglich heißt: «No matter, where you come from», & «ganz egal, welcher Religion du angehörst…». Dieses «No matter» ist scheiße! Es sollte nicht egal sein, es sollte was bedeuten. Die Menschen wollen auf ihre Entscheidungen oder biografische Begebenheiten stolz sein dürfen. Fast alle, die so was sagen, wollen nur helfen, ich weiß schon. Sie wollen irgendwie signalisieren, dass sie tolerant und weltoffen sind, aber was dabei raus kommt, ist ein furchtbar peinliches Wischi-waschi-Getue, und je länger man versucht politisch korrekt zu bleiben, desto alberner und unechter wird’s.

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Mister Butterblume

24.11.2015
Das männliche Gegenstück zu den Mausis, die bei ihrer Suche nach einem Partner eigentlich auf der Suche nach einem bedingungslos stärkeren Elternteil sind (hier geht’s zu den Mausis), ist der Butterblumenmann. Der Butterblumenmann möchte nämlich von einer schönen Prinzessin gerettet werden, was aber nur in den seltensten Fällen geschieht, da es einfach nicht zum Szenario passt. Der Butterblumenmann wurde geboren, um zu leiden. Mir tun solche Männer furchtbar leid und ich sehe sie ständig und überall. Es ist wirklich traurig. Sie sitzen einem im Bus gegenüber oder schreiben einem verzweifelte Emails, hin und wieder nimmt man eine verträumte Gestalt mit ziemlich schlechter Haltung vor einem Kühlregal wahr und weiß ganz genau: wenn der sich in den nächsten fünf Minuten nicht bewegt, dann bemitleidet er gerade die glasigen Augen toter Fische und ist eindeutig ein Mister Butterblume.

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November

22.11.2015
Die Elbe fließt spiegelglatt. Vor einigen Tagen noch packte der Wind das graue Wasser und schmiss es wütend gegen die Steine, Hier! Nimm das, du Luder! Und heute hat man hier Licht und Luft und diese typischen Dresdner Wolken, die so handwerklich genau die karamellisierte Silhouette der Stadt nachbilden. Ich hab Lust, meinen Hund in einen Kinderwagen zu setzten und nebenher zu joggen. Meine Fußgelenke würden zwar schreien: «Aaaaaa! Lose weight, Brunhilda Ivanovna! Wir sind nicht aus Titan.», aber dann grüßten mich die anderen Kinderwagen-Jogger auf diese spezielle Art, ihr wisst schon: Guten Tag, das machen Sie richtig! Ein niedliches Kind haben Sie da…ach du Scheiße, das arme Ding…Auf Wiedersehen. Na ja, meinem Hundekind geht’s gut. Es wälzt sich in den Überresten

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Das Geräusch eines platzenden Kragens

20.11.2015
Ich glaube, es war vor fünf Jahren oder so, da sagte zum ersten Mal einer von diesen entzündeten Laptop-Kriegern zu mir, ich soll mich mehr für die Dinge interessieren, die in der Welt passieren. Nach dem Motto «Hier herrscht Krieg und du hast zu diesem Thema noch keinen einzigen hysterischen Link gepostet». Werde ich auch in Zukunft nicht tun. Ich fühle mich nicht kompetent genug dafür und frage mich, wie es dazu kommt, dass ihr euch kompetent fühlt. Es gibt in sozialen Netzwerken einige Menschen, deren Aktivität darauf ausgerichtet ist, zu informieren, zu reflektieren, zu analysieren und somit ein wenig das Chaos frei zu schaufeln. Bei diesen Menschen habe ich komischerweise nicht das Bedürfnis, ein Fellknäuel nach dem anderen auf die Tastatur zu würgen, sondern lese ihre Posts tatsächlich, um ein bisschen weniger dumm zu sein. Was an diesen Menschen anders ist? Sie sind fähig, zu all diesen aktuellen, wichtigen Themen den einen oder anderen eigenen Gedanken zu formulieren. Was hingegen jeden entzündeten Laptop-Krieger auszeichnet ist der wunde Zeigefinger der rechten Hand

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Molière lässt grüßen

02.11.2015
Der wohl bekannteste Unterschied zwischen den Mentalitäten von Hund und Katze ist der: «Oh, der Mensch füttert mich, er muss Gott sein» von einem Hund und «Aha, der Mensch füttert mich, ich muss Gott sein» von einer Katze. Wie schnell man doch aber dieses System knacken kann, wenn man etwa einen kranken Hund bewirtet! Wahnsinn! Monsieur Hund liegt also seit gestern im Bett. Er steht nur auf, um der Welt einen gequälten Blick zuzuwerfen und einen Lord-Byron-Seufzer von sich zu geben, denn die Brühe ist uns zu dünn und das Hühnchen ist uns zu faserig und gestern wurde er von einem Maltesermischling und seiner Oma ausgelacht, weil ihm…Verzeihung…ein Grashalm im Hintern steckte

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«Fühlen» — die Königsdisziplin

02.11.2015
Vorgestern ist dieses Flugzeug abgestürzt. Scharm asch-Schaich (Ägypten) - St. Petersburg (Russland), 224 Passagiere an Bord, darunter mindestens 17 Kinder. Was fühlen Sie, wenn Sie das lesen? Eine taktlose Frage, nicht wahr? Ich komme noch darauf zurück. Der 31.Oktober wird in Russland logischerweise zum offiziellen Trauertag ernannt, viele Kneipen entschuldigen sich bei ihren Gästen und sagen die geplanten Halloween-Parties ab. Der Eine oder Andere liest sich zum fünften Mal die Liste der Namen durch, Niemand aus dem Freundeskreis, Gott sei Dank, aber diese Zeilen, wo derselbe Nachname dreimal hintereinander kommt: Vater, Mutter, Kind - grausam…In Kiew gehen die Menschen zur russischen Botschaft, legen Blumen hin, zünden Kerzen an. Es sieht nicht gut aus zwischen Ukraine und Russland, gar nicht gut, ziemlich beschissen sieht es aus. Diese Gesten sollen signalisieren, dass das Phänomen Mitgefühl universell und unzerstörbar ist und ganz weit über dem widerlichen politischen Gewusel steht. Alles irgendwie logisch, alles irgendwie menschlich…

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Grabrede

29.10.2015
Heute nehmen wir Abschied von unserem geliebten Kleidungsstück - dem Schlafhemd, auch bekannt als universelle Arbeitskluft. Ich blicke in viele Gesichter und sehe Tränen der Trauer, aber auch Tränen der Freude, so ein wunderbares Textilstück gekannt zu haben. Als es zu uns kam, hatten wir ein erfülltes Sexualleben mit jemandem, den das archaische, um nicht zu sagen urgroßmütterliche Erscheinungsbild unseres geliebten Schlafhemdes weder erschreckt noch in die Flucht getrieben hat. Oh ja, es wurde apzep…apzep…akzeptiert und respektiert und als das wahrgenommen, was es wirklich war - ein schräges, falsch genähtes, eigenartiges, praktisches, anspruchsloses Werk der modernen Kolonialisierung und der unfairen Handelsbedingungen.

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Garstig geht die Welt zu Grunde

22.10.2015
Ich kannte mal einen Menschen männlichen Geschlechts, der hin und wieder darauf bestand, dass wir in der Öffentlichkeit essen gehen. Das Problem dabei war nur, dass er eigentlich ein Ess-Zelt zum Drüberstülpen gebraucht hätte und dieses noch nicht erfunden worden war.

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Im Eimer

22.10.2015
Es ist ja kein Geheimnis, dass es beim künstlerischen Prozess um den Energieaustausch geht. Im Idealfall entsteht eine Verbindung zwischen dem, was der Künstler reingesteckt hat und dem, was der Rezipient bereit ist, aufzunehmen (der pornographische Unterton ist kein Zufall, nein). Manchmal sind beim Betrachter allerdings die Kanäle verstopft, das sollte man stoisch akzeptieren und sich die Wuttränen schleunigst aus dem Gesicht wischen. Am einfachsten hat man's mit Illustration, denn sie ist das Flittchen unter den Genres - leicht zugänglich, nicht sonderlich elitär und man braucht meist kein philosophisches, politisches oder theologisches Grundwissen, um eine Illustration zu begreifen. Sie erzählt ja alles von selbst. Witzig wird es erst, wenn es um "erwachsene" Kunst geht

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Die Sache mit dem Heulen

11.08.2015
Dieses eine Mal, da hat sie mir beim «Hässlichen Heulen» zugesehen. Ich hatte vorher nie vor jemanden «hässlich geheult» und werde es zukünftig auch nicht tun. Nur dieses eine Mal. Ich weiss, dass es ein schrecklicher Anblick ist. Es gibt sicherlich Menschen, die schön weinen können, elegant oder niedlich, vielleicht ein bisschen wie in einem Film, wenn die Kamera plötzlich die perfekt geschnitzte Nase der Hauptdarstellerin aus der violetten Dunkelheit greift und dann blitzt es kurz auf und der Zuschauer versteht - die Elfe weint. So sieht es bei mir nicht aus.

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Eine wirklich wichtige Erkenntnis

02.07.2015
Eben rief ich beim Überqueren der Strasse so was wie «Heureka!» obwohl das überhaupt nicht mein Stil ist und stammelte dann etwas leiser vor mich hin: «Ich hab’s begriffen! Meine fetten, weissen Oberschenkel erzeugen beim Laufen eine gewisse Resonanz, die sie zum Drehen bringt

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle VI

19.05.2015
Liebes Tagebuch, bitte sag mir, dass ich nur träume….dass dieser bärtige Russe, auch bekannt als meine Besitzerin, sich KEINEN Teppich an die Wand genagelt hat! Bitte bitte. Ich weiß nicht, worauf sie damit hinaus will, aber ich vermute nichts Gutes. Gehab dich wohl, Tagebuch. Dein entsetzter Benedikt 

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle V

18.03.2015
Liebes Tagebuch, siehst du, wie ich vor Langeweile ganz borstig werde? Ich habe auch lange nichts mehr geschrieben, weil die obere Buchstabenreihe meiner Tastatur klemmt, nachdem ich einen klebrigen Lidl-Cabernet drüber geschüttet hab, weshalb ich gerade heimlich den Laptop meiner Verrückten benutzen muss, während sie unter der Dusche «Like A Virgin» und «Windmills of Your Mind» krächzt und nein, es lässt sich nicht bestimmen, was mitleiderregender klingt.

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Ausflug

15.12.2014
Keine Chance, dass es in diesem Wunderland langweilig wird. Sonntags ziehen anständige Menschen saubere Kleidung an und machen Ausflüge und ich kam auch nicht drumrum. Auf dem Weg entdeckte ich leider diese furchtbare Konditorei… ich bin mir sicher, sie stand vorher nicht da, erst als ich in die Strasse bog, öffnete sich die Pforte zur Hölle und die teuflische Institution kam hervor. Mit ihrem dunklen Holz und ihren goldenen Löffelchen und auf Hochglanz polierten Vitrinen, hinter denen Satans Kinder - Kakao-und Buttererzeugnisse lagen, und feinster Puderzucker schwebte in der Luft, aber vielleicht war es auch Koks, denn nur so lässt es sich erklären, warum ich plötzlich überall im Gesicht Zuckerguss hatte und gute sechs Stunden damit beschäftigt war, ein großes Stück Butter zu verdauen.

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Kleines Lexikon des Rückzugs. W wie WARUM.

11.12.2014
Weil du schon vergessen hast, wie es zwischen Herbst und Winter nach angefrorener Wiese und feinem Rauch riecht. Die Liste der Diagnosen wird immer länger und lauter und grotesker. Du fütterst die Pharmaindustrie und rennst zweimal die Woche zur Suchtberatung. Kannst deinen Hund gerade so versorgen, weil du mit Angst ins Bett gehst und mit Angst aufwachst und das einzige, was du noch reibungslos zustande bringst, ist vier Stunden am Stück auf dem Stuhl zu sitzen und die Wand anzustarren.

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle IV

09.12.2014
Wertes Tagebuch, was hier nach Dekadenz und Alkoholismus aussieht, ist nicht all zu weit von der Wahrheit entfernt. Ich stelle immer wieder fest, dass sich die Realität nur im Dauer-Dämmer-Zustand ertragen lässt. Erst recht, wenn man meine Frau Mora als Mitbewohnerin hat. Sie hat neuerdings das Fernsehen für sich entdeckt (wie bei allen ihren Neuentdeckungen wird diese hoffentlich auch spätestens nach wenigen Wochen in die Kategorie «Unzumutbarer Rotz» wandern. Ja ich weiß, ihre Ausdrucksweise ist sehr erlesen. Die Gossensprache wird man ihr nicht mehr abgewöhnen können)...

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle III

10.11.2014
Wertes Tagebuch, Ich mag keine Klassik mehr. Nur noch Sinatra, der gute alte Frank. Sie hören hier Wagner, bis ihnen ganz schwarz vor Augen wird und das, was ich bei der genauen Betrachtung ihrer ...

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Nun ja…

07.11.2014
Ich möchte gar nicht wissen, was der Herr zur Zeit in sein Tagebuch schreibt, denn heute bekam einen Anruf von seinem Butler, dem selbstlosen Mann, der ihm täglich seine diätische Kost auf einem Porzellanteller mit Goldrand serviert und mit Hilfe der regelmäßigen körperlichen Betätigung an der frischen Luft seine Wangen konstant rosig hält...

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle II

03.11.2014
Wertes Tagebuch, du weißt ja, dass ich zwar ein Mann vieler Worte bin aber dennoch ein würdevolles Auftreten und eiserne Selbstbeherrschung an den Tag lege. Ja? Weißt du das? Gut. Gestern war die Verrückte da. Sie kam völlig unerwartet zu Besuch und ich hatte keine Zeit, mich vorzubereiten, deshalb kann man den Erfolg meines Vorhabens, sie zu Tode zu ignorieren, als ambivalent bezeichnen. Es ist mir sowohl gelungen als auch nicht gelungen. Schrödingers Katze der Selbstbeherrschung quasi. Ich war schon den ganzen Vormittag etwas unpässlich und glaubte, in jedem Geräusch ein Zeichen zu deuten, dass eine Prüfung auf mich zukommt. Als eine Autotür draußen laut zugeschlagen wurde, ahnte ich es schon. Und dann hörte ich diese fiepsige Stimme sagen: «Oh, das Apfelbäumchen hat der Benny aber schön groß gegossen!». Unerhört, diese Frau! Je mehr ich versuchte meine Glieder zu beruhigen, desto wilder schlug mein Herz. Die Haustür ging auf… Ich hörte ihre unkoordinierten Schritte unten im Treppenhaus… Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und war gerade dabei, ihr entgegen zu schreiten, gediegen und voller Würde, als irgendein hormonelles Ungleichgewicht eintrat und meine Pläne kaputt machte. (Ich habe die neuen Lammknochen im Verdacht, sie waren wirklich sehr rosa und mild, das triggert meine feminine Seite).

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Aus dem Tagebuch von Benedikt-Zachary Maria von Chuchle I

26.10.2014
Wertes Tagebuch, ich denke immer seltener an die Verrückte. Angeblich ist sie immer noch in der Stadt und sucht Fleisch für mich aus. Seit August. Ich weiß nicht, für wen sie mich hier halten, aber sollte sie vor Weihnachten doch noch auftauchen und kein erstklassiges Lammfilet dabei haben, werde ich wohl ...

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Wunderlich, wunderlicher, am wunderlichsten

12.10.2014
Habe mal wieder ein Telegramm vom Hund bekommen. Ha! Der Blick! Ich hab’s gewusst: man kriegt vielleicht den Stadtneurotiker aus der Stadt, aber man kriegt nicht die Stadt aus dem Stadtneurotiker vertrieben. Ist ja nicht so, als würde man’s nicht versuchen. Meine Stadtleine war den Herren wohl zu plump, ja, zur idyllischen Tümpellandschaft passt sie tatsächlich weniger gut als eine Wäscheleine. Unser letztes Treffen vergangene Woche war auch sehr aufschlussreich. Monsieur Hund wurde nach Pulsnitz in ein Hotel gebracht, damit ich ihn …ähm waschen durfte. Ich wundere mich hier über gar nichts mehr. Die Tätigkeit «Hund waschen» sollte auf irgendeine mysteriöse Weise

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Simplicius Simplicissimus

04.09.2014
Das Tier macht Urlaub von der nervigen Mutti, bei der es nichts darf. Jaaa...guuut, ab und zu lässt sie einen in irgendeine flache Pfütze springen und sich vollsauen, aber lebt so ein richtiger Mann von 4 Jahren, frag ich euch? Hm? Wo bleibt die Gefahr? Wo bleibt das Abenteuer? Jetzt ist Schluss mit kurzen Sonntagshosen und Scheitelfrisur! Ganz ehrlich, wenn ich mir noch mehr Berichte anhören darf, welche Enten und Füchse Monsieur schon wieder gejagt hat und wie sie sich alle vor Männlichkeit nur so strotzend im Grase rum wälzen und schallend lachen und sich über meine überzogene Ängstlichkeit aufregen, geb ich ihn zur Adoption frei. Mein Kind war ein stiller, neurotischer Kafka-Leser und kein Grimmelshaus'scher Simplicissimus!

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Fünf Minuten määääckern.

31.07.2014
Es wird für mich wohl immer ein Mysterium bleiben, das ich weder kognitiv verstehen noch intuitiv erfassen kann, warum

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«Es ist schon ein Kreuz…» — Seufz

30.07.2014
Diktatur der Hilflosigkeit. Ich hab's immer gewusst - je schwächer desto manipulativer

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Morgens im Park

30.06.2014
Mache mir zum ersten Mal Gedanken darüber, wie es ist, einer von diesen lustigen Männern zu sein, die morgens in den Parkanlagen alles wieder hübsch machen, nachdem buddelnde Tiere, fickende Pärchen und randalierende Trinker die ganze Nacht lang die Büsche besudelten und die Wiesen verwüsteten.

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Fifty Shades of määääh

24.11.2013
Braucht man nun nicht zu erwähnen, dass dieser kindische Quatsch überall ist und man sich schon in gar keine öffentliche Toilette traut, weil, genau, wer grinst da wohl von der Wand? Herr Grey und seine angeblich submissive Püppi. Vor Paar Jahren

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