Effi Mora

Архив метки: zwischen den Welten

Hölle, self-made. Teil 1 — Die Hölle der Selbstüberschätzung.

18.03.2019
...Unweigerlich geht dann dieses, wie ich das nenne "großzügige Bemitleiden" los. Mit Mitgefühl hat das gar nichts zu tun. Mitgefühl ist so alt wie die Welt und kann Kaputtes heilen und reparieren. Beim "großzügigen Bemitleiden" geht es nur um die verführerische Delikatesse namens "Ich bin nicht nur besser als du, sondern auch edler, weil du mir auch noch leid tust.". Mitgefühl erkennt man daran, dass es eine wesentlich feinere Resonanz erzeugt, und sich niemand verarscht fühlt...

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by accident

01.03.2018
...

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Sonntag. Zirkus. Knoblauch.

01.10.2017
Ja, schon irgendwie selber schuld, wenn man sein Katerfrühstück auf dem Rummel holt. Gefüllte Artischocken - 0,03% Artischocke, 99,97% - Füllung. Was ist das überhaupt? Frischkäse? Warum ist er denn so hart und kalt wie mein Singledasein? Und warum so viel? Frischkäse dezent umhüllt von Espuma mit Artischockenduft für 7,90 bitte. Essbares vom Rummel war doch aber schon immer der Push-Up und die Fake Lashes unter den Fastfooderzeugnissen. Das weiß man doch, Frau Mora. Ja, sollte man eigentlich wissen. Eine ca. 50-jährige Dame mit dem eingefrorenen Pfui-Ausdruck im Gesicht administriert dem Schaschlik-Verkäufer: «Meinen Fleischspieß packen Sie aber bitte ein!». «Jawohllll!» - man sieht ihm an, dass es ihn nervös macht

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Puh…

04.08.2017
Na super, hab mir vorhin ein Date entgehen lassen. Wurde nämlich an der Ampel am Albertplatz vom einem ca. 50-Jährigen aufm Fahrrad angestarrt, und als ich zurück starrte, zeigte er mir mit Händen und Mimik, dass ich meine Kopfhörer raus stöpseln soll. "Das ist ja prima, dass gerade rot ist, darf ich Sie was fragen?" Bitte nicht nach dem Weg fragen, bitte bitte nicht, ich hab schon Leute nach Prohlis geschickt, die einfach nur hätten zweimal abbiegen müssen, dachte ich erschrocken. "Mögen Sie Roland Kaiser?" Ich weiß nicht, was da in dem Moment in meinem Gesicht stattfand, aber er sagte:" Ok, ist wohl nicht ganz ihre Welt?" und deutete auf die Kopfhörer. Tja, in den Kopfhörern ist seit drei Monaten der prolligste Soundtrack aller Zeiten - der von "Suicide Squad», was aber keineswegs meinen Musikgeschmack beschreibt. (Das ist sowieso meine Lieblingsangst, dass jemand plötzlich meine Kopfhörer rauszieht und kurz mit hört und dann zeigt der ganze Bus mit dem Finger auf mich und alle lachen sich die Innereien aus dem Leib, weil ich gerade mit einem Gemisch aus Sinatra und der italienischen Nationalhymne versuche, die richtige Stimmung aufzubauen (welche auch immer das ist, don’t ask) Und jetzt hab ich auch noch schweren Herzens auf Roland Kaiser verzichtet, der

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Zukunftspläne

19.04.2017
Nicht die blaßeste Ahnung, was in den nächsten Minuten, Wochen, Monaten, Jahren passiert, aber eins weiß ich sicher...

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«Ist jemand von den Erwachsenen da?»

11.12.2016
Menschen, die vor langer, langer Zeit eine sehr große Rolle in deinem Leben gespielt haben, kannst du nicht einfach so treffen. Wie sieht denn das aus? Wir hatten so ein brasilianisches Drama mit Tellerschmeißen und Bettwäschezerrupfen, und jetzt sitzen wir beim Bäcker um die Ecke und rühren in unseren Tassen? Absolut unvorstellbar. Links neben uns fallen andauernd Tabletts aus dem Wagen, rechts von uns wird gerade eine Windel gewechselt, die Bäckerin schreit in die Küche...

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sweet dreams are made of this

05.11.2016
Wie wär’s mit dem 11. Gebot «Du sollst nicht projizieren!»? Mein Hund träumt neuerdings ziemlich heftig. Es ist an sich nichts ungewöhnliches. Es ist sogar normal, dass sobald sich eine Familie auf der Couch einnistet - jeder ein Glas Wein und eine Packung Spekulatius in der Hand - der Hund, der bis jetzt friedlich auf seiner Decke schlummerte, plötzlich anfängt mit allen Extremitäten zu wackeln, zu bellen, zu schnauben, ganz fürchterlich besorgniserregend mit den Augen zu rollen und zu schmatzen. Ganz klar: er hat die Gazelle nun doch erwischt, alle Tiere in der Savanne heulen. Toller Traum. Applaus Applaus. Meiner bringt diese Nummer nun schon seit 6 Jahren und bis jetzt dachte ich immer nur: «Ooooooh, er träumt wieder…» oder: «Что тебе снится, крейсер Аврора?»

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Was danach?

05.11.2016
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Mit nur einem Arm einen Garten anlegen

04.11.2016
Och nääääääääh… Wieder mal in eine Debatte über «Wohin mit dem traumarelevanten Material» rein geplatzt und konnte nicht einfach dran vorbei gehen…(Dazu muss man sagen, dass die russischsprachigen Traumatiker im Durchschnitt etwas radikalere Ansichten vertreten) Ich bin ja der Meinung, dass persönliche Traumata behandelt gehören. Ohne, dass man diese übermäßig romantisiert und ohne die Freunde/Familie als Füllmaterial für allerlei schwarze Löcher in der eigenen Psyche zu benutzen. (Das sag ich aber jetzt als jemand, der an der Stelle, wo die Psyche sein sollte, irgendeinen Scheiß mit ‘nem Schleifchen drüber hat). Nicht selten reagiert ein traumatisierter Gegenüber empört und enttäuscht, wenn man ihm sagt, dass es: 1)natürlich ein Leben nach dem Trauma gibt, sofern man dieses überlebt hat: und 2)dieses Leben auch sehr schön und sehr sinnvoll sein kann. Man reagiert so, weil man da raus hört: «Du musst jetzt sofort aufstehen, deine schusssichere Weste ablegen, in die unberechenbare Welt hinaus treten und gefälligst normal sein!» (Du faules Stück, du). Dazu kommt, dass man sich solche «Aufmunterungen» nicht von jedem gefallen lassen möchte. Jemand, der in der Thematik nicht drin steckt, kann sich seine Vorstellungen von Normalität und Glück gerne aufs Brot schmieren. Dabei ist dieses «das Leben kann trotzdem schön sein» einfach nur der übernächste Schritt. Das heißt, wenn man es schaffen würde, nach so einem Satz nicht sofort in die Defensive zu gehen, würde man vermutlich sogar zustimmen

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31.10.2016
Dieses seltsame Geräusch, das mich heute den ganzen Tag verfolgte - so eine gedämpfte Mischung aus Knattern und Summen, als wäre irgendwo weit weg ein kleiner blauer Traktor unterwegs, den man aber nicht sehen kann; das Geräusch wanderte durch die Wohnung, wurde mal leiser, mal lauter, mal richtig laut, mal war es direkt hinter mir, mal irgendwo rechts unten neben dem Schreibtisch ...

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Gehstekrachen Nr. 3736229

11.09.2016
Auf dem Weg zur Elbe nutzt Dieser Schräge Hund™ die Überlänge der Leine aus, um sich einen knusprig verwesten Krähenflügel zu gönnen. Ich tue so, als würde ich ein bisschen aus der Haut fahren, aber es ist einfach zu heiß und der didaktische Effekt bleibt eh' aus. Hunde mögen...

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August

31.08.2016
An sein Unterbewusstsein ran zu kommen, ist schwerer als man denkt. (Warum man das überhaupt macht, anstatt sich einfach darauf zu verlassen, dass man schon nicht vergessen wird, wie man atmet und läuft, ist die andere Frage). Für alle, die das tun möchten, gibt es Tausende von Techniken und Übungen und dies&jenes. "Das hätteste gerne!" - sagt da mein Unterbewusstsein. "Hier hast du erstmal eine hübsche Anzahl von inneren Filtern, Blockierungen und Täuschungen, die du umgehen musst, und wenn du die ganzen Fallen, die ich dir liebevoll gestellt habe, und alle tiefen Schluchten, nach deren Überwindung jeder normaler Mensch aufgeben sollte, hinter dich gebracht hast, kommst du auf eine sonnenüberflutete Lichtung, mit herrlichen dunkelblauen Tannen ringsum, dort liegt eine Kiste für dich beireit. In der Kiste ist ein kleiner Beutel, im Beutel - ein Überraschungsei. Das machst du auf. Und drin ist gar nichts. Herzlichen Glückwunsch. Hat sich gelohnt, wa?" Jedenfalls, egal, welche Technik ich ausprobiere, es kommt immer ungefähr das gleiche raus: ich nehme weder mich noch mein Leben ernst und mein bester Freund ist ein quadrupeder, ewig haarender Melancholiker.

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Rumnörgeln for Freedom

28.08.2016
Wie dem auch sei. Ich stelle in letzter Zeit oft fest, dass erschreckend viele kreative Äußerungen (Texte, Bilder, Lyrik, Videos etc.) mit dem aufwertenden Zusatz "Im Namen der/des..." versehen werden. Aufwertend und manchmal sich entschuldigend. Man darf irgendwie nicht mehr kreativ sein nur der Kreativität wegen. Das scheint als rückständig zu gelten. Es muss irgendeinen höheren Sinn haben, im Idealfall ganz vielen Menschen helfen, oder zumindest auf irgendein Problem hinweisen. Wenn du von 1997 bis 2004 essgestört warst und auf die Idee kommst, diese Erfahrungen in Worte zu fassen, um diese wiederum zu wohlklingenden, sich flüssig lesenden Sätzen zusammenzufügen, dann vergiss bloß nicht, drüber zu schreiben, dass du im Namen aller Frauen gegen die beknackten ästhetischen Vorstellungen, die die Medien/Männer/homosexuelle Modedesigner (zutreffendes auswählen) vom weiblichen Körper haben, kämpfst und ab sofort mit der so knusprigen Vokabel "Frauenrechte" in Verbindung gebracht zu werden wünschst. Kann es aber nicht einfach nur eine traurige, persönliche Geschichte einer Frau bleiben, die auf ihrem Weg in die Krankheit rein und aus der Krankheit wieder raus ganz schön einsam war? Ich glaube, dass eine authentische, ehrliche, traurige oder auch stellenweise witzige kreative Äußerung, welcher Art auch immer, tatsächlich Menschen erreichen kann, die gerade selbst mitten drin stecken und eine flüchtige Berührung an der Schulter brauchen, die ihnen sagt: "Hier. Ich bin da, ich hab das auch erlebt.". Diese Berührung darf und wird auch von einem Stoff ausgehen, der kein Prädikat "besonders gesellschaftlich relevanter und sozialkritischer Artikel" als fetten Banner trägt. Irgendwie haben viele Angst davor narzisstisch zu wirken, wenn sie ihrem kreativen Prozess keine sinnvolle Aufgabe geben, sondern einfach nur drauf los schreiben, malen, dichten, fotografieren, performen. Wenn sie eben diesen Prozess nicht wie einen abgerichteten Hund auf irgendwelche Feinde und Unterdrücker losschicken. Und ich lass mich davon beeinflussen! Ja. Geb ich zu. Aber, oh man! Genau dadurch wirkt man doch erst recht narzisstisch! Wenn man sich selbst ständig maßlos überschätzt in seinen Weltretterfantasien; wenn über einem sehr persönlichen, schon fast egozentrischen...

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«Schwindel & Verrat». Ein Minidrama, inspiriert vom Freundeskreis.

22.08.2016
Wenn man beim Aufräumen eigene alte Notizen oder Texte findet, ist man nicht selten peinlich berührt. Zwar hat man bei dieser Reise in die Vergangenheit eine gute Möglichkeit, seinem damaligen "ich" zu begegnen, aber oft sind diese Ergüsse entweder so teenagermäßig prätentiös und ernst oder einfach nur so schlecht geschrieben, dass man purpurot wird und sie schnell wieder weglegt. Nach diesem schrecklichen Fund hier musste ich allerdings sehr lange lachen. Ja peinlich, ja viele Fehler drin und ja, ich habe keine Ahnung, was mit dieser Frau damals los war, die so was schreiben musste, aber irgendwie kann ich das gerade nicht für mich behalten. Ein Minidrama. Hehehe. Von 2009 (mitten im Studium). Und der Zusatz im Titel "Inspiriert vom Freundeskreis". Hahaha. Oh man, da werden Erinnerungen wach. et voilà Rechtschreibung beibehalten.

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Boys will be boys. (Ein Paar Gedanken über Väter, Jungs und Männer)

09.08.2016
Jeni Stepien ist eine junge Frau aus den USA, deren Vater vor 10 Jahren bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Das Herz ihres Vaters wurde an den herzinsuffizienten Arthur Thomas gespendet. Seit der erfolgreichen Transplantation waren die beiden in Kontakt und nun - 10 Jahre später - wurde Jeni Stepien von Arthur Thomas zum Altar geführt. Alle haben geheult, Jeni legte ihre Hände auf Arthurs Brust, sie bedankten sich beieinander, und ich war stinksauer auf mich, weil ich auch heulen musste. Unfassbar, dachte ich mir. Das Internet ist voll mit solchen Rührseligkeiten: Menschen, die Tiere retten, Tiere, die Menschen retten, Kinder, die ihre Eltern zum ersten Mal wieder sehen, körperlich Beeinträchtigte, die über die Grenzen ihres Körpers hinauswachsen. Tausende von lebensbejahenden Berichten, Videos, Interviews. Viele davon sind inspirierend, ja. Auf jeden Fall. Aber ich mag es nicht bzw. finde es ein bisschen gefährlich, wie leicht zugänglich die Knöpfe und die Hebel sind, mit denen man bei einem Menschen bestimmte Emotionen hervorrufen kann. On/Off. Einmal drauf drücken - der Patient weint, zweimal drauf drücken - der Patient lacht. Diese Knöpfe waren schon immer da, aber seit der Internetisierung liegen sie völlig unverschlüsselt rum. Jeder, der einen Account hat, kann an seiner target audience Experimente durchführen. Macht man natürlich nicht. Jedenfalls reagiere ich normalerweise nicht so emotional auf derart einfache Botschaften, weil mir der Mechanismus dahinter zu sehr ins Auge springt. Wahrscheinlich war's das Thema an sich. Und ich hab nachgedacht. Ja, es war das Thema. Das Thema "Vater" und alles, was damit zusammen hängt. Vor zwei Wochen ist ein...

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Juli. Unterm Strich.

05.08.2016
Der Juli 2016 war so reich an Ereignissen und Erkenntnissen, dass ich gar nicht darüber reden möchte. Stattdessen tue ich das, was ich in solchen Situationen immer tue: alles relativieren und ins Lächerliche ziehen. (Hundewelpen erledigen das auf eine ähnliche Weise - "Wenn du Etwas nicht einordnen kannst, dann friss es oder pinkel drauf!"). Deshalb fasse ich kurz zusammen, was im Klartext heißt - mir fehlen die Worte und deshalb knalle ich hier einfach meine privaten (oh, là, là!) fb-Statusmeldungen rein von Juli 2016. Faulheit, wie sie im Buche steht, ja:

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Es wird endlich ernst. Ernsthaft?

19.07.2016
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass Fräulein Primel eine Person ist, die sich gern von den simpelsten Dingen überfordern lässt, dabei jedoch zu fast allem eine Meinung hat. Eine Kombination, die alle anderen Figuren im Buch furchtbar unsympathisch finden würden, wenn da nicht Fräuleins unheilbare, an Slapstick grenzende Tollpatschigkeit wäre. Diese gleicht das wieder aus. Es ist schwer, von Jemanden aufgrund seiner Neunmalklugheit lange genervt zu sein, wenn dieser Jemand zum Beispiel nur die Hälfte seines rechten Beines rasiert hat und das linke komplett zugewuchert ließ, weil ihm das zu anstrengend wurde, weil die nassen Haare zu schwer waren, weil irgendwas von oben tröpfelte oder, schlicht und einfach, weil ihm mitten im Prozess des Rasierens die Sinnlosigkeit allen Tuns bewusst wurde und er sich lieber mit dem Lesen der Shampoo-Flasche abgelenkt hat.

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Even deeper

10.07.2016
Seit ich das erste Mal den beängstigend attraktiven Anglerfisch gesehen hab, war es meine liebste Gruselfantasie, in einer sphärischen, von allen Seiten durchsichtigen, dem enormen Druck standhaltenden Kapsel in die tiefste Untiefe zu tauchen, da wo diese ganzen unvorstellbaren Arten und göttliche Humorübungen leben. Diese ganzen unförmigen, geleeartigen, fünfäugigen und weiss der Geier, welche noch Kreaturen. Ich träumte davon, mit meiner Kapsel ganz unten weich aufzuschlagen, für einige Sekunden das Licht anzumachen und…an Ekel zu sterben.

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Juni. Achtsamkeit

30.06.2016
Hippie-Modus on. Wenn man viele Jahre überall und nirgendwo war und sich daran gewöhnt hat, ausschließlich komplexe und schwierige Dinge als normal wahrzunehmen, ist es sehr schwer, einfach nur zu sein. Da zu sein. In einer verlässlichen Welt, die man nicht kontrollieren muss - es ist ohnehin eine beliebte aber eine lähmende Illusion, dass man sich die Welt berechenbar und sicher basteln kann

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Auf dem Weg zur Sicherheit ist uns die Normalität abhanden gekommen.

25.06.2016
Fallbeschreibung: eine weltoffene, lustige, paar-und-50-jährige Frau ist zu Besuch in Dresden. Bei einem Spaziergang fotografiert sie alles, was sie schön oder interessant findet: Blumen, Wiesen, Hunde, die eisessende Menschen anstarren, eisessende Menschen, die mit ihrem Eis den Fußboden voll topfen, sanierte Hausfassaden, unsanierte Hausfassaden, Tauben, Krähen, Kinder. Wieder in der Wohnung angekommen, zieht sie die Fotos auf den Laptop, um sie noch einmal auf dem Monitor anzuschauen. Dabei fällt es ihren Gastgebern auf, dass darunter auch einige Fotos von nackten Kindern sind, welche im Springbrunnen baden. Es kommt zu einem Dialog, bei dem offenbar zwei Welten aufeinander prallen. Sinngemäß geht es um «Ich versteh nicht, was daran so schlimm ist, einpaar nacksche Kinder zu fotografieren.» vs. «Ich kann es nicht fassen, dass du das selbst nicht siehst. Ein Wunder, dass dich deren Eltern nicht auf der Stelle zerfleischt haben.». Kognitive Dissonanz auf beiden Seiten. Nennen wir es mal «kulturelle Unterschiede», weil man letzten Endes alles auf die Kultur schieben kann. Um zu verstehen, was hier eigentlich aufeinander prallt, schauen wir uns jede dieser «Welten» genauer an.

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Die Sache mit dem Pavlenski…

18.06.2016
Petr Pavlenski ist der Typ, über den ich mich vor paar Jahren beinahe in Stücke zerlacht hätte, weil er im Rahmen einer Performance seine…Verzeihung…Hoden an den Roten Platz genagelt hatte. Bei einer anderen Aktion rollte er mit Stacheldraht umwickelt irgendwo im Zentrum von Moskau hin und her. Den Mund hatte er sich auch mal live und ohne Narkose zugenäht usw. usw. Damals war mein einziger Gedanke: « Junge, wenn du schon so viele Zeugen brauchst, um deine borderlinisch-histrionschen BDSM-Gelüste vollwertig ausleben zu können, dann verkauf das wenigstens nicht als Kunst.». Dann hat man ‘ne Weile nichts von ihm gehört. Bis er irgendwann nachts zum FSB-Gebäude (Föderaler Sicherheitsdienst der russischen Föderation) ging und deren Tür in Flammen setzte. Lolchen. Viele Lolchens. Ich glaube fast, Humor ist das einzige, womit man mich überhaupt noch eineigermaßen erreichen kann. Das Anzünden der Tür beim FSB finde ich zum Schreien komisch. Zumal es offenbar so simpel war. Das war vor 7 Monaten. Seitdem find ich ihn gut. Was daran Kunst ist und was nicht, ist erstmal wurscht. In Russland geht es zur Zeit um ganz andere Dinge. Kunst, so wie man sie in Europa versteht, ist ein luxuriöses Symptom. Luxuriöse Symptome muss man sich erst leisten können. Wenn man aber noch im Epizentrum des Traumas steckt, kann man sich keine Symptome leisten. Da muss man wach sein und da muss man schnell sein, beim Denken, beim Umschalten, beim Mimikrieren. Keine Zeit für Sentimentalitäten.

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linguaphile innere Kumpels

03.06.2016
Elfriede Scholz - die kleine Schwester von Remarque. Ich weiß immer noch nicht, ob Remarque ein guter Schriftsteller war oder nicht. Mag sein, dass die Sprache sehr journalistisch ist, aber ich liebe ihn ganz inniglich. Ich liebe ihn wie einen langjährigen Freund. Vor 17 Jahren saß ich jeden Tag nach der Schule in meinem Zimmer, in der linken Hand - das Wörterbuch, in der rechten - «Arc de Triomphe» und verstand kein Wort...

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Mai. (Abseits, jenseits, andererseits…)

16.05.2016
Hier wird schon wieder demonstriert. Konnte im Vorbeigehen leider nicht sehen, welche Neurosen dieses Mal vertreten sind. Ich hab da so’ ne Ahnung. Eine Bürgerin mit einer Deutschlandflagge als Schal kommt auf mich zu und versucht mir einen Zettel in die Hand zu drücken während sie mechanisch fragt, was ich von der aktuellen Situation in Deutschland halte. Eine Gegenfrage: wissen Sie eigentlich, was für ein Luxus das ist, sich überhaupt für irgendwas zu interessieren? Ein zweiköpfiges, in der Summe kaum älteres als 16 Jahre, double-veganes, passioniertes Gebilde der Antifa-Kindergruppe sitzt abseits der Demo und versucht Mut&Wut zu generieren, bevor es sich zu den anderen stellt. Wie praktisch, dass gerade in diesem Moment ein riesiger blauer Wollknäuel an ihnen vorbei läuft und einen Hund an der Leine führt. Jetzt kann das was werden mit Mut&Wut, schlimm genug dass der Hund des Wollknäuels keine antiautoritäre Erziehung genießt und angeleint ist, so muss er sich doch nicht etwa wirklich anhören: «Nein, Bender, lauf mal heute nicht über die Wiese, da sind Allergene drin.». Hahahahaha - die zweiköpfige Kinderfiliale der Antifa platzt vor lachen. Da sind Allergene drin, ich kann nicht mehr! Ohhhh, Ahhhh! Lauf da nicht lang, da sind Allergene drin! Na es freut mich, Kinder, dass ich helfen konnte, jetzt fühlt ihr euch doch schon ein bisschen sinnvoller, nicht? Ich weiß, wie das ist, ein Teenager zu sein. Eine unangenehme Zeit. Da ist man dankbar für jeden Feind. Ich möchte nicht nach meiner Meinung zur aktuellen Situation gefragt werden. Was soll ich da auch schon sagen? Meine deutsche Stimme ist einfach noch nicht souverän genug. Ich bin selber noch im Integrationsprozess. Lasst mich mal kurz fertig werden, dann sag ich euch schon allen, was ich hier von diesem und jenem halte. Da werdet ihr möglicherweise sogar denken:» Och, hätten wir doch lieber nicht gefragt.» Mitten im Stimmbruch lässt es sich nicht so gut reden und im Moment finde ich, dass die ganze Welt einen richtig guten Therapeuten braucht.

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«…and the earth opened, and swallowed up the water and the executioners and the old man.»

14.05.2016
Die Schönheit des Abgrunds und die Notwendigkeit der Rückkehr

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Innere Kinder, innere Rotzgören, ewige Opferrollen. Und natürlich unsere gute, alte Freundin — die böse, böse Gesellschaft.

07.03.2016
Wenn man eher aufmerksam als unaufmerksam ist und genauer hinschaut, sieht man in absolut jedem Menschen sein inneres Kind (mindestens eins). Hmm…Etwa auch in den gegelten, bekrawatteten, aalglatten Topmanagern? Gerade in ihnen! Wenn so ein supereffektiver Leistungsfanatiker nämlich kurz nicht aufpasst, seine Zigarette weg legt und zur Seite blickt, dann fliegt so ein leichter Schatten über sein Gesicht. Aus der Gelfrisur rutscht eine Strähne und legt sich über die hohe Computerstirn. In diesem Moment, in diesen 2,5 Sekunden, in denen er sich nicht wie ein Wahnsinniger kotrolliert, sieht man den kleinen Jungen, der…ihr wisst schon - «Du hast mit mir gefälligst nicht rum zu diskutieren, du Rotznase!» und «Wie bist denn du drauf? Ab in dein Zimmer und komm erst wieder, wenn du dich beherrschen kannst!» und ganz besonders «Sag mal, was malst denn du mir hier Bilder von irgendwelchen Vögeln, wenn du deine Mathe-Hausaufgaben noch gar nicht angerührt hast?! Bei dir piept’s wohl?». Und dann fühlt man kurz dieses: ach komm zu Mama. Doch schon zieht er beherzt an seiner Kippe und klopft mit den knochigen Spinnenfingern ungeduldig auf den Tisch und grinst wie der Teufel persönlich: «Hopp hopp, Fräulein, wir wollen fertig werden!». Zack, hat er sein inneres Kind zurück gepfiffen.

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März

01.03.2016
Na ja, herzlichen Glückwunsch, Mademoiselle. Jetzt wo der Winter zurück kommt, haben wir endlich die Weihnachtsdeko - all das Goldene, Stachelige, Klirrende - in Kisten gepackt und zum Übersommern ins Regal gestellt. Ein bisschen schade ist es, dass die armen Krokusse da draußen sich wohl zu früh gefreut haben. Sie versuchen es natürlich, aber es sieht nicht gut aus. Überall in der Stadt sind Fotografen unterwegs: schneebehangene Äste von unten, schneebehangene Äste von oben, von der Seite, schräg, schwingend und ganze Ladungen abwerfend, aufgeschreckte Vogelschwärme, Passanten, die sich plötzlich wie ein Korkenzieher drehen und versuchen mit beiden Händen Schnee aus der Kapuze zu schütteln. Beliebtes Motiv - gekühlte Krokusse im Schneemantel. Apropos Mittagskarte - im italienischen Restaurant am goldenen Reiter gibt’s frische Muscheln für 10 euro. Und zwar seit ungefähr anderthalb Wochen. Inzwischen dürften sie den höchsten Grad der Frische erreicht haben. Also irgendwie gut, dass es wieder ein bisschen kälter wird.

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Ekelhaft-physiologisches

24.02.2016
Die Sache mit dem Frauenarzt

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Eine furchtbar normale Kindheit

20.02.2016
Enthält möglicherweise Trigger

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Februar

04.02.2016
«Ob Menschenkind oder Menschenhund ist oft genau so einerlei wie ein unbemaltes Osterei, einmal von vorn und einmal in Profilansicht» - dachte ich soeben als ich an einem Kindergarten vorbeiging und meinen sturen Esel der Marke Canis lupus familiaris hinter mir her schleifte.

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Sonntagliches

31.01.2016
Just So Stories

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Annonce

29.01.2016
Was, zum dicken Kaktus, ist denn ein Fräulein Primel? Ist es nun ein Kind oder eine Frau? Wenn das ein Kind ist, warum hat es solche, Verzeihung, Möpse? Und wenn das eine Frau sein soll, warum sieht sie so albern puppenhaft aus? Was soll denn dieses Flirten mit dem Kindchenschema? Nun ja, die Wahrheit ist - Fräulein Primel ist sowohl als auch bzw. weder noch. Und nein, das Fräulein kokettiert nicht im Geringsten mit dem lolitösen Klischee. Es ist vielmehr ein ähnliches Phänomen wie der Karlsson vom Dach, welcher ja behauptet, «ein Mann in den besten Jahren» zu sein, dabei jedoch kaum größer als ein Grundschulkind ist und sich vor allem nicht besonders erwachsen benimmt. So etwas gibt es machmal. Unsere inneren Kinder tragen wir alle in uns; bei dem Einen ist es stärker ausgeprägt, bei dem Anderen schwächer.

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Januar

17.01.2016
1:40 - genug geschlafen. Mal wieder zwischen den Welten aufgewacht und nicht gleich verstanden, welches Jahrhundert es ist. Mit den Augen bereits da, das Zimmer nach dem Hund abscannend, aber die Haare immer noch um die borstige Junkie-Faust meines Nachbars gewickelt, der mich Sekunden zuvor noch am Hinterkopf packte und quer durch die ganze SLUB schleuderte und schrie, es seien meinetwegen wieder Menschen umgekommen, weil ich nie («NIE, NIE, DU BLÖDE FOTZE, HÖRST DU?!») meine Chipkarte beim Rausgehen durchziehe. Nichts neues, es wurde mal wieder Person X von Person Y vertreten. Bei meinem fiesen Morpheus ist das üblich. Doch dann, doch dann…dann sah ich zum Fenster und verstand, was mich eigentlich geweckt hat - der Schnee. Ich kann jede einzelne Flocke hören. Es ist unendlich gut, ganz ohne Konservierungsstoffe. Einfach nur da sitzen und in den feinsten Sprühnebel starren, der trotz seiner Leichtigkeit so dicht ist, dass er völlig den Horizont verdeckt. Es ist unendlich gut. Und für einige Minuten ist es ganz still im Kopf.

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Generationssalat

05.01.2016
Da meine Eltern natürlich auch ganz normale menschliche Spezies sind und keine Exponate aus dem Landesmuseum für Heiligkeit, waren sie in ihren Rollen absolut unzumutbar. Es ist gewissermaßen der ewige Kreislauf der Sinnsuche, der mit irgendwelchem Mist anfängt, mit Überwindung und Hoffnung fortgesetzt wird und, so Gott will, damit endet, dass man zumindest ein bisschen zur Ruhe kommt und aufhört, sich mit seinem muffigen Innenleben zu beschäftigen, bevor der ganze Spass von vorn losgeht. Alle Menschen müssen da durch. In irgendeiner Form. Und wisst ihr was? Es ist überhaupt nicht schlimm. Wenn man Kinder hat, braucht man sich eigentlich keine Mühe zu geben. Man wird es garantiert sowieso falsch machen. Die, die als Kinder ein Dauerabo für Prügelstrafen und ne Flatrate fürs Nackig-Ausgesperrt-Sein hatten, jammern genau so laut wie die, deren Mutti sie mal damit fürs Leben zeichnete, dass sie sagte: «Nein, du kriegst keinen Keks mehr.». Ob Scheidungskind oder Familienliebling - sie werden alle irgendwas finden, was es zu überwinden gilt. Der Mensch ist so konzipiert, dass er sich ständig langweilt, und Überwindung sorgt für Action. Es ist egal, wie man sich in seiner Elternrolle austobt.

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Dezember

21.12.2015
Es ist also dunkel und kalt und windig wie Sau, und alle normalen Menschen sind längst auf ihren beigefarbenen Käutschen in ihren cremefarbenen Wohnzimmern und ich hab aber einen Hund, der hin und wieder gern vorm Schlafengehen noch fix und routiniert Durchfall kriegt und deshalb lauf ich also kurz vor zwölf durch Nacht und Wind um den goldenen Reiter herum mit meinem Kind und singe meinen Schamanen-Song und haue kräftig auf den Gong und steck’ mir Federn in den Kopf und werfe Steine in den Topf (Hallo, Nicole! Hab mir heute dein-mein Gedicht wieder durchgelesen :) ). Es pfeift und scheppert, aber es hilft ja nix. Wir laufen und laufen und der Halbmond liegt aufm Rücken und ist gelb wie ein alter Käse. In meinem dummen Schädel ist es leider nie ruhig. Das heißt…doch, manchmal, wenn man mich zum Beispiel ins Wasser taucht (am besten mit dem Kopf zuerst). Es gibt nämlich Menschen, die man im wahrsten Sinne des Wortes aufweichen muss. Man braucht mich also nur in irgendeinen See zu stecken, Badewanne reicht manchmal auch, und sechs bis acht Stunden nicht raus zu lassen. Wenn ich dabei auch noch einen tannengrünen Berg angucken kann, geht’s sogar schneller. Danach bin ich richtig durchgeweicht und aufgeweicht und hab kaum irgendwelche Gedanken oder Kopfgequatsche, sondern starre vor mich hin wie ein Bär, der alle Himbeeren und den ganzen Honig gefressen hat und in dessen Gesicht rein gar nichts zu lesen ist, außer vielleicht «Boah, geil…». Aber wo nimmt man nachts um zwölf einen See oder eine Badewanne her?

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Was ich denke?

25.11.2015
Ich denke, dass es sehr traurig ist, wenn so viele kluge und angenehme Menschen an der Erschaffung einer Welt mit basteln, in der es täglich heißt: «No matter, where you come from», & «ganz egal, welcher Religion du angehörst…». Dieses «No matter» ist scheiße! Es sollte nicht egal sein, es sollte was bedeuten. Die Menschen wollen auf ihre Entscheidungen oder biografische Begebenheiten stolz sein dürfen. Fast alle, die so was sagen, wollen nur helfen, ich weiß schon. Sie wollen irgendwie signalisieren, dass sie tolerant und weltoffen sind, aber was dabei raus kommt, ist ein furchtbar peinliches Wischi-waschi-Getue, und je länger man versucht politisch korrekt zu bleiben, desto alberner und unechter wird’s.

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Mister Butterblume

24.11.2015
Das männliche Gegenstück zu den Mausis, die bei ihrer Suche nach einem Partner eigentlich auf der Suche nach einem bedingungslos stärkeren Elternteil sind (hier geht’s zu den Mausis), ist der Butterblumenmann. Der Butterblumenmann möchte nämlich von einer schönen Prinzessin gerettet werden, was aber nur in den seltensten Fällen geschieht, da es einfach nicht zum Szenario passt. Der Butterblumenmann wurde geboren, um zu leiden. Mir tun solche Männer furchtbar leid und ich sehe sie ständig und überall. Es ist wirklich traurig. Sie sitzen einem im Bus gegenüber oder schreiben einem verzweifelte Emails, hin und wieder nimmt man eine verträumte Gestalt mit ziemlich schlechter Haltung vor einem Kühlregal wahr und weiß ganz genau: wenn der sich in den nächsten fünf Minuten nicht bewegt, dann bemitleidet er gerade die glasigen Augen toter Fische und ist eindeutig ein Mister Butterblume.

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November

22.11.2015
Die Elbe fließt spiegelglatt. Vor einigen Tagen noch packte der Wind das graue Wasser und schmiss es wütend gegen die Steine, Hier! Nimm das, du Luder! Und heute hat man hier Licht und Luft und diese typischen Dresdner Wolken, die so handwerklich genau die karamellisierte Silhouette der Stadt nachbilden. Ich hab Lust, meinen Hund in einen Kinderwagen zu setzten und nebenher zu joggen. Meine Fußgelenke würden zwar schreien: «Aaaaaa! Lose weight, Brunhilda Ivanovna! Wir sind nicht aus Titan.», aber dann grüßten mich die anderen Kinderwagen-Jogger auf diese spezielle Art, ihr wisst schon: Guten Tag, das machen Sie richtig! Ein niedliches Kind haben Sie da…ach du Scheiße, das arme Ding…Auf Wiedersehen. Na ja, meinem Hundekind geht’s gut. Es wälzt sich in den Überresten

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Morpheus’ Arme, Katharsis und die zwei Seiten einer Geschichte.

06.11.2015
ENTHÄLT MÖGLICHERWEISE TRIGGER

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«Fühlen» — die Königsdisziplin

02.11.2015
Vorgestern ist dieses Flugzeug abgestürzt. Scharm asch-Schaich (Ägypten) - St. Petersburg (Russland), 224 Passagiere an Bord, darunter mindestens 17 Kinder. Was fühlen Sie, wenn Sie das lesen? Eine taktlose Frage, nicht wahr? Ich komme noch darauf zurück. Der 31.Oktober wird in Russland logischerweise zum offiziellen Trauertag ernannt, viele Kneipen entschuldigen sich bei ihren Gästen und sagen die geplanten Halloween-Parties ab. Der Eine oder Andere liest sich zum fünften Mal die Liste der Namen durch, Niemand aus dem Freundeskreis, Gott sei Dank, aber diese Zeilen, wo derselbe Nachname dreimal hintereinander kommt: Vater, Mutter, Kind - grausam…In Kiew gehen die Menschen zur russischen Botschaft, legen Blumen hin, zünden Kerzen an. Es sieht nicht gut aus zwischen Ukraine und Russland, gar nicht gut, ziemlich beschissen sieht es aus. Diese Gesten sollen signalisieren, dass das Phänomen Mitgefühl universell und unzerstörbar ist und ganz weit über dem widerlichen politischen Gewusel steht. Alles irgendwie logisch, alles irgendwie menschlich…

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Man tut, was man kann, mit dem, was man hat

26.10.2015
Ich sehe sie an und höre sie Sätze sagen wie «Ach, Trauma…was ist schon Trauma? Wie haben das denn die Frauen im Krieg gemacht? Sie hatten keine Zeit zum Kranksein. Konnten sich nicht so gehen lassen. Wir haben zu viel Zeit zum Grübeln. Uns geht’s doch viel zu gut.». Ihre Körpersprache verrät, dass sie selbst nicht so recht glaubt, was sie da sagt. Es ist die Körpersprache einer Frau, die seit sehr vielen Jahren versucht, klar zu kommen. In ihren Mundwinkeln - die gut trainierte Verleugnung der eigenen Bedürftigkeit. Nein, für Trauma hat sie auch keine Zeit. Sie steht um sechs auf. Ihr Mann ist schon wach und kehrt draußen den Platz vor der Garage, in der Küche röchelt die alte Kaffeemaschine. Sie duscht, wie ein Soldat, jede Bewegung ist auf die Sekunde abgestimmt. Versucht dabei, ihren Körper auszublenden, als wäre er nur Schaum und Dampf und wischt die beschlagenen Spiegel erst als sie vollständig angezogen ist.

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Im Eimer

22.10.2015
Es ist ja kein Geheimnis, dass es beim künstlerischen Prozess um den Energieaustausch geht. Im Idealfall entsteht eine Verbindung zwischen dem, was der Künstler reingesteckt hat und dem, was der Rezipient bereit ist, aufzunehmen (der pornographische Unterton ist kein Zufall, nein). Manchmal sind beim Betrachter allerdings die Kanäle verstopft, das sollte man stoisch akzeptieren und sich die Wuttränen schleunigst aus dem Gesicht wischen. Am einfachsten hat man's mit Illustration, denn sie ist das Flittchen unter den Genres - leicht zugänglich, nicht sonderlich elitär und man braucht meist kein philosophisches, politisches oder theologisches Grundwissen, um eine Illustration zu begreifen. Sie erzählt ja alles von selbst. Witzig wird es erst, wenn es um "erwachsene" Kunst geht

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Mein inneres Kind hat mich gebeten, deinem inneren Kind auszurichten

27.09.2015
...es bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass du mir eventuell sympathisch bist. Puh... Ist das zu fassen, wie umständlich das wird, wenn man seine innere Kompetente auf andere Menschen loslässt?! Die Ärmste ist so damit beschäftigt, cool zu bleiben und so erschrocken über jegliche Gefühlsregungen, dass ihr ein einfaches "Ich mag dich" nicht mal im Traum über die krampfhaft zusammengepressten Lippen kommt. Stattdessen blättert sie, schnaubend vor Anstrengung, in ihrem "Reaktionsregister", durchforstet die Kategorie "Sympathie, Freundschaft etc." auf der verzweifelten Suche nach der Reaktion XY_22725# und ja, man kann dabei ihr heißgelaufenes Gehirn knistern hören.

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Ausflug

15.12.2014
Keine Chance, dass es in diesem Wunderland langweilig wird. Sonntags ziehen anständige Menschen saubere Kleidung an und machen Ausflüge und ich kam auch nicht drumrum. Auf dem Weg entdeckte ich leider diese furchtbare Konditorei… ich bin mir sicher, sie stand vorher nicht da, erst als ich in die Strasse bog, öffnete sich die Pforte zur Hölle und die teuflische Institution kam hervor. Mit ihrem dunklen Holz und ihren goldenen Löffelchen und auf Hochglanz polierten Vitrinen, hinter denen Satans Kinder - Kakao-und Buttererzeugnisse lagen, und feinster Puderzucker schwebte in der Luft, aber vielleicht war es auch Koks, denn nur so lässt es sich erklären, warum ich plötzlich überall im Gesicht Zuckerguss hatte und gute sechs Stunden damit beschäftigt war, ein großes Stück Butter zu verdauen.

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